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Samstag, 21. September 2013

Du, o Wahrheit, bist das ewige Licht, das mich erleuchtet


Du, o Wahrheit, bist das ewige Licht, das mich erleuchtet, so dass ich sehe, was da ist und wie es zu werten ist. Ich vernehme gar wohl, wie Du mich lehrtest, wie Du mir gebotest. Oftmals tue ich es, und immer ist's mir Freude; und so oft ich kann, fliehe ich aus dem Zwang und Wirrwarr der Geschäfte zu dieser Freude, mir die Seele zu erquicken. In allem, was ich suchend durchlief, fand ich für meine Seele keinen sichreren Ort als in Dir, der Du zu sammeln weißt, was ich zerstreute. Manchmal fährst Du meine Seele in ein unfaßbares Meer der rätselvollsten Wonnen tief drinnen in meinem Innern. Und wann immer ich an dieser Wonne teilhatte, spürte ich, dass ihr vollkommener Besitz alle Freuden des Erdenlebens weit übersteigt. 

Augustinus von Hippo

(Bekenntnisse, 10.Buch, 40.Kapitel)

Freitag, 20. September 2013

Verbirg nicht vor mir Dein Antlitz


Sage mir, o mein Herr und mein Gott, um deiner erbarmenden Liebe willen, was du mir bist. Sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hilfe. So sprich, auf dass ich dich hören kann. Siehe meines Herzens Ohr lauschend vor dir; erschließe es, o Herr, und sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hilfe
Betend will ich folgen dieser Stimme und dich ergreifen. 
Verbirg dein Angesicht nicht vor mir!


Augustinus von Hippo


(Bekenntnisse, 1.Buch, 5.Kapitel)

Dienstag, 30. Juli 2013

Loben werden den Herrn, die ihn suchen


"Gross bist du, o Herr, und überaus preiswürdig; 
gross ist deine Stärke, und deiner Weisheit ist kein Ziel gesetzt"1. 
Und dich will loben ein Mensch, ein winziger Teil deiner Schöpfung, ein Mensch, der schwer trägt an der Bürde seiner Sterblichkeit, schwer trägt auch am Zeugnis seiner Sünde und am Zeugnis, dass "du den Stolzen widerstehest" 2 . Und dennoch will dich loben der Mensch, selbst ein Teil deiner Schöpfung. Du selbst veranlasst ihn, in deinem Preis eine Wonne zu suchen, denn geschaffen hast du uns im Hinblick auf dich, und unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in dir. Verleihe mir, o Herr, die rechte Erkenntnis und Einsicht, ob man dich erst anrufen oder preisen, erst dich erkennen oder anrufen muss! Aber wer ruft dich an, ohne dich zu kennen? Könnte er doch leicht in seiner Unwissenheit einen anderen für dich anrufen! Oder wirst du etwa angerufen, um erkannt zu werden? "Wie aber soll man den anrufen, an den nicht geglaubt? Wie aber wird man glauben ohne Prediger?" 3 „Loben werden den Herrn, die ihn suchen" 4 Denn wer sucht, der findet ihn, und wer ihn findet, wird ihn preisen. So will ich dich denn suchen, o Herr, indem ich dich anrufe, und dich anrufen, da ich an dich glaube; denn du bist uns verkündet worden. 


Augustinus von Hippo 

(Bekenntnisse  I,1)



1.Ps 144,3 und 146,5
2.Petr. 5,5
3.Röm.10,14
4 Ps 21,27



Sonntag, 12. Mai 2013

Glühend vor Liebe kehre ich zu deinem Quell zurück


O Wahrheit, du Licht meines Herzens, lass meine Finsternis nicht zu mir reden! Ich habe mich ins Irdische verloren und bin zur Dunkelheit geworden; aber selbst aus ihr, selbst von da aus habe ich Liebe zu dir gefasst. Ich geriet in die Irre und habe mich deiner wieder erinnert. Ich vernahm deine Stimme hinter mir, die mich einlud, doch zurückzukehren, aber kaum vermochte ich sie wegen des Lärmens der Friedlosen zuhören. Und nun siehe, kehrich glühend vor Hitze und atemlos zu deinem Quell zurück. Niemand soll mir es wehren; aus ihm will ich trinken, durch ihn mein Leben gewinnen. Nicht ich selbst will mein Leben sein; böse habe ich gelebt aus mir und bin mir selbst zum Tode geworden. Nun aber lebe ich in dir auf. Sprich du zu mir, rede du zu mir. Geglaubt habe ich deinen Schriften; aber ihre Worte sind gar geheimnisvoll.


Augustinus von Hippo

(Bekenntnisse, XII,10)

Quelle

Freitag, 7. Dezember 2012

Wer wird mir nun geben, dass ich Ruhe finde in dir?


"Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir"
(Conf. I,1)


Wer wird mir nun geben, dass ich Ruhe finde in dir? Wer wird mir geben, dass du kommst in mein Herz und es trunken machst vor Freude, so dass ich mein Elend vergesse und dich, mein einzig Gut, umfasse? Was bist du mir? Erbarme dich meiner, damit ich kann davon reden! Was bin ich dir aber selbst, dass du von mir geliebt zu werden verlangst und, wenn ich es unterlasse, mir zürnst und mit unendlichen Qualen drohst? Ist das nicht allein schon grosse Pein, dich nicht zu lieben? Wehe mir! Sage mir doch bei deiner Barmherzigkeit, Herr mein Gott, was du mir bist! Sage meiner Seele: "Ich bin dein Heil!" Sprich vernehmlich zu mir! Siehe, o Herr, die Ohren meines Herzens sind vor dir; öffne sie und sprich zu meiner Seele: "Dein Heil bin ich". Nacheilen will ich diesem Wort und so dich erfassen. Verhülle nicht vor mir dein Angesicht. Sterben will ich, um nicht zu sterben, sondern es zu schauen. 

Augustinus von Hippo

(Confessiones I,5)

Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit...


Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit, ewig alt und ewig neu; spät habe ich dich geliebt. Und siehe, du warst in meinem Innern; ich aber lief hinaus und suchte dich draußen. Hässlich und missgestaltet warf ich mich auf das Schöngestaltete, das du geschaffen hast. Du warst bei mir, ich aber war nicht bei dir. Was von dir so lange mich fern hielt, waren Dinge, die doch gar nicht existierten, wenn sie nicht in dir wären. Du aber riefst mich, und immer lauter riefst du mich und zerrissest meine Taubheit. Dein Licht ging mir auf, und immer strahlender leuchtetest du und verjagtest meine Blindheit... Gekostet habe ich dich, und nun hungere und dürste ich nach dir. Du hast mich angerührt, da bin ich entbrannt in Sehnsucht nach deinem Frieden.

Augustinus von Hippo

(Confessiones X, 27,38)

Montag, 3. Dezember 2012

Wer liebt, der läuft



Wer liebt, der läuft. Je inniger er liebt, desto freudiger läuft er. 
Je weniger er liebt, desto lässiger bewegt er sich vorwärts auf dem Wege. Wenn er überhaupt nicht liebt, steht er still auf dem Wege. 
Wenn er gar nach der Welt sich sehnt, schaut er rückwärts vom Wege und wendet sein Antlitz ab von der Heimat.


Augustinus von Hippo


Zitiert in: P. Bernward Deneke, "Liebe, und dann tue was du willst"

Freitag, 30. November 2012

Gottes Bild im Menschen


St. Augustinus spricht: "Wenn des Menschen Seele sich ganz hinaufkehrt in die Ewigkeit, in Gott allein, so erscheint und leuchtet auf das Bild Gottes. Wenn sich aber die Seele nach außen kehrt, und seien es selbst äußerliche Tugendübungen, so wird dies Bild völlig verdeckt."

All das von der Seele, das sich hinunterwendet, das nimmt das an, dem es sich dabei zuwendet, [im Bild gesprochen:] es nimmt eine Decke oder eine Art Kopftuch. Was sich aber von der Seele hinaufwendet, das ist ein bloßes Bild Gottes; das ist Gottes Geburt, ganz unverdeckt und bloß in bloßer Seele.
Von dem edlen Menschen - als Gottes Bild, als Gottes Sohn, als göttliche Natur in uns - es kann uns nimmer zerstört werden, nur verdeckt mag es (dann und wann) sein.


Meister Eckhart


aus: Meister Eckhart, Vom Adel der menschlichen Seele, Anaconda Verlag S. 32



Donnerstag, 22. November 2012

In der Liebe zu Gott ist das Maß, ohne Maß zu lieben



In der Liebe zu Gott wird uns keinerlei Maß auferlegt, da hier das Maß ist, ohne   Maß zu lieben: Man soll sich nicht sorgen, zu viel zu lieben, sondern nur    fürchten, zu wenig zu lieben.

Severus von Mileve 
Augustinus von Hippo 

Severus von Mileve, Augustinusschüler und bischöflicher Amtsbruder, fasst mit diesem Wort
die Kerngedanken seines Meisters wieder.


Zitiert in: P. Bernward Deneke, "Liebe, und dann tue was du willst"

Dilige et quod vis fac - Liebe und tue, was du willst!


Die Taten der Menschen lassen sich nur von der Wurzel der Liebe her werten. Denn vieles kann man tun, was guten Anschein hat, aber nicht aus der Wurzel der Liebe hervorgeht. Denn auch der Dornstrauch blüht; vieles aber scheint hart und finster, und doch schafft es um der Zucht willen die Liebe. Einmal für alle wird dir also ein kurzes Gebot aufgestellt: Liebe und tue, was du willst! Schweigst du, so schweige aus Liebe; sprichst du, so spreche aus Liebe; rügst du, so rüge aus Liebe; schonst du, so schone aus Liebe: innen sei die Wurzel Liebe, nur Gutes kann dieser Wurzel entsprießen.


Augustinus von Hippo

Sonntag, 23. September 2012

Was der Geist des Menschen ersehnt




"Quid enim fortius desiderat anima quam Veritatem"





Was ersehnt der Geist des Menschen stärker als die Wahrheit?



Augustinus von Hippo


Foto: Thinking © Hilde / photocase.de

Freitag, 1. Juni 2012

Ein Zitat über die Seele...(2)






"Die Seele ist mehr, wo sie liebt als wo sie dem Leib Leben gibt"

Augustinus von Hippo




Antonio Canova: "Amor und Psyche"
Foto: Wikipedia Commons
http://it.wikipedia.org/wiki/File:Amore_e_psiche_(1).jpg


Mittwoch, 1. Februar 2012

Geben in Liebe heißt nie verlieren

Geben in Liebe heißt nie verlieren;
und wie man Liebe nicht schenken könnte,
wenn man sie nicht hätte,
so hat man sie erst, wenn man sie schenkt.
Die Liebe allein versteht das Geheimnis,
andere zu beschenken 
und dabei selbst reich zu werden.

Augustinus von Hippo
Aus den "Bekenntnissen"

Freitag, 13. Januar 2012

Wer die Wahrheit kennt, kennt jenes Licht.



... zu mir selbst zurückgekommen, trat ich   in mein Inneres ein ...und erblickte mit dem Auge meiner Seele, so schwach es auch war,  über diesem Auge der Seele, über meinem Geist, ein unveränderliches Licht, nicht dieses gewöhnliche, das jedes irdische Lebewesen erblickt, nicht  ein Licht der  üblichen Art... So war jenes Licht nicht, es war anders, ganz anders als all dies... Es war erhabener, denn es hat mich erschaffen, und ich bin niedriger,  weil ich von ihm gemacht bin.  
Wer die Wahrheit kennt, kennt jenes Licht. 
Wer es kennt, kennt die Ewigkeit.  
Die Liebe kennt es
Du ewige Wahrheit, wahre Liebe, geliebte Ewigkeit! Du bist mein Gott, nach dir verlange ich Tag und Nacht.  

Augustinus von Hippo
Aus den "Bekenntnissen"

Dienstag, 5. Juli 2011

Das ist es, was ich liebe, wenn ich Dich, meinen Gott, liebe

Ich liebe Dich, nicht mit zweifelndem, sondern mit sicherem Bewusstsein. Du hast mit Deinem Wort mein Herz erschüttert und ich habe Dich geliebt. Auch der Himmel und die Erde und alles, was in ihnen ist, sieh, von allen Seiten her sagen sie mir, dass ich Dich lieben soll.
Was aber liebe ich, wenn ich Dich liebe? Nicht das Aussehen eines Körpers und nicht die Anmut eines Lebensalters, nicht den Glanz des Lichtes, der diesen leiblichen Augen so lieb ist, nicht die süßen Melodien vielfältiger Gesänge, nicht den lockenden Duft von Blüten, Salbölen und Gewürzen, nicht Manna und nicht Honig, nicht Körperteile, die sich zu fleischlichen Umarmungen anbieten – nichts von alledem liebe ich, wenn ich Dich liebe.
Und doch liebe ich eine Art von Licht, von Stimme, von Wohlgeruch, von Speise und von Umarmung, wenn ich Dich liebe, denn Du bist das Licht, die Stimme, der Wohlgeruch, die Speise und die Umarmung meines inneren Menschen. Dort drin in meiner Seele strahlt ein Licht, das keine Welt fasst, dort klingen Melodien, die keine Zeit verschlingt, dort duften Wohlgerüche, die kein Wind verweht, dort schmecken Speisen, deren keine Sattheit satt wird, dort lacht ein Glück vereinter Liebe, dem ein Überdruss nicht folgt. Das ist es, was ich liebe, wenn ich Dich, meinen Gott, liebe.

Augustinus von Hippo [Bekenntnisse X,6,8]