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Donnerstag, 7. Januar 2016

Unbegrenzte menschliche Natur


Der Bereich der menschlichen Natur umfasst in 
seiner menschlichen Möglichkeit
Gott und das Weltall


Nikolaus von Kues
 (aus De coniecturis, ca 1443)


Montag, 17. Juni 2013

Alles hat jener, o Herr, der Dich hat



Du, o Gott, bist die Wahrheit und das Urbild ... 
Du, mein Gott, bist die absolute Kraft und darum die Natur aller
Naturen. Mein Gott, Du hast mich dahin geführt zu sehen,
dass Dein absolutes Aussehen das natürliche Aussehen jeder
Natur ist; dass es das Angesicht ist, das die absolute Seiendheit*
jedes Seins ist; dass es die Kunst und Wissenschaft 
alles Wissbaren ist.
Wem es also vergönnt ist, Dein Angesicht zu schauen,
 sieht alles offen und nichts bleibt ihm verborgen. 
Er weiß alles.  
Alles hat jener, o Herr, der Dich hat, und alles
hat der, der Dich sieht. Denn niemand sieht Dich als nur derjenige,
der Dich besitzt; niemand vermag sich Dir zu nahen, da
Du unnahbar bist. Niemand also wird Dich erfassen, 
außer Du schenkst Dich ihm.


Nikolaus von Kues


(De visione Dei, Ausschnitt aus Kap. VII )
Quelle


*unveränderliche Substanz

Sonntag, 26. Mai 2013

Die Liebe ist der Maßstab des Wertes aller Tugenden



Der Wert des Goldes ist der Maßstab für den Wert aller andern Metalle. 
So ist auch die Liebe der Maßstab des Wertes aller Tugenden: 
so viel Liebe in ihnen ist, so viel Wert haben sie. 
Die Wirksamkeit der Wärme, ohne die nichts lebt, stammt aus dem Feuer,
 das alles durchdringt und in sich umgestaltet. 
Was wir sehen, ist nicht reines Feuer, wohl aber feuerhaltig. 
So ist auch die Liebe an sich unbemerkbar, 
aber sie liegt allen Tugenden zugrunde, 
welche sie umgestaltet, reinigt und erneuert. 
Die Liebe ist wie der Stein des Gyges, der den Menschen unsichtbar macht; denn die Liebe deckt das Schmutzige und Nackte zu, sie deckt eine Menge Sünden zu, so dass kein Flecken sich zeigt. Die schwarze Kohle und das schwarze Eisen sind im Feuer nicht schwarz, sondern leuchtend; nur getrennt vom Feuer sind sie wieder schwarz. Schon die Liebe dieser Welt deckt die Mängel zu, denn der Liebende sieht die Mängel des geliebten Gegenstandes nicht, solange er liebt. 


Nikolaus von Kues



Text  in der  Übersetzung von Franz Anton Scharpff 

Freiburg in Breisgau, 1862 (S. 496-497)


 

Dein Vater-Sein ist Dein Blick, der uns alle väterlich umfasst.


Mein Herz, o Herr, findet keine Ruhe, weil Deine Liebe es
mit solcher Sehnsucht entflammt, dass es nirgends als in Dir
allein zu ruhen vermag. Beginne ich das Gebet des Herrn, 
so gibst Du mir ein, darauf zu achten, dass und wie Du unser
Vater bist. Dein Lieben ist Sehen. Dein Vater-Sein ist Dein
Blick, der uns alle väterlich umfasst. Wir sagen ja: Vater unser.
Du bist der Vater aller und jedes einzelnen. Dies sagt jeder,
der Dich unseren Vater nennt. Die väterliche Liebe umfaßt alle
und jeden einzelnen Sohn. Ein Vater liebt ja alle Kinder
so wie jedes einzelne, weil er ebenso der Vater aller ist wie
jedes einzelnen. Er liebt jedes einzelne seiner Kinder so, dass
jedes meint, es werde allen vorgezogen.


Nikolaus von Kues


(De visione dei, Kap. 8 )

Quelle


Mittwoch, 27. Februar 2013

Du, mein Gott, bist die Liebe




Du mein Gott, der Du die Liebe bist, bist die liebende Liebe, die liebenswerte Liebe und das Band zwischen der liebenden und der liebenswerten Liebe. 
Ich sehe in Dir, mein Gott, die liebende Liebe. Und auf Grund dessen, dass ich in Dir die liebende Liebe sehe, sehe ich in Dir auch die liebenswerte Liebe; und weil ich in Dir die liebende Liebe und die liebenswerte Liebe sehe, sehe ich das Band der Liebe zwischen beiden. Und dies ist nichts anderes als das, was ich in Deiner absoluten Einheit sehe; in dieser sehe ich die einende Einheit, die einbare Einheit und Einheit von beiden.

Nikolaus von Kues

Aus „De visione dei“ (Ausschnitt aus Kap.17)



Montag, 4. Februar 2013

Wo Gegensätze zusammenfallen, dort bist du, mein Gott.


  …. ich muss in die Dunkelheit eintreten und den Zusammenfall der Gegensätze über alle Fassungsvermögen des Verstandes hinaus zugestehen und die Wahrheit dort suchen, wo mir die Unmöglichkeit entgegentritt.  ... 
Und je mehr diese finstere Unmöglichkeit als verborgen und unmöglich erkannt wird, desto wahrer strahlt die Notwendigkeit, [die du, mein Gott, bist] wider und desto weniger verhüllt ist sie zugegen und nähert sich. Darum danke ich Dir, mein Gott, der Du mir offenbarst, dass es keinen anderen Weg gibt, um zu Dir zu gelangen, als jenen, welcher allen Menschen, sogar den gelehrtesten Philosophen völlig unersteigbar und unmöglich erscheint. Du hast mir ja gezeigt, dass Du nirgends anders zu sehen bist als dort, wo uns die Unmöglichkeit entgegentritt und uns den Weg verstellt.
   Du, Herr, Speise der Starken, hast mir den Mut gegeben,  mir selbst Gewalt zu tun, weil die Unmöglichkeit mit der Notwendigkeit zusammenfällt. Ich habe den Ort gefunden, in dem man Dich unverhüllt zu finden vermag. Er ist umgeben von dem Zusammenfall der Gegensätze. Dieser ist die Mauer des Paradieses, in dem Du wohnst. Sein Tor bewacht höchster Verstandesgeist. Überwindet man ihn nicht, so öffnet sich nicht der Eingang. Jenseits des Zusammenfalls der Gegensätze vermag man Dich zu sehen; diesseits aber nicht. Wenn also in Deinem Blick, o Herr, die Unmöglichkeit die Notwendigkeit ist, dann gibt es nichts, das Dein Blick nicht sähe. 


Nikolaus von Kues

Aus: Vom Sehen Gottes (De visione Dei), Kap. 3 (Alle Aussagen über Gott sind in Wirklichkeit voneinander nicht verschieden)


Sonntag, 3. Februar 2013

Dein Sehen, Herr, ist Lieben


  
  Dein Sehen, Herr, ist Lieben, und wie Dein Blick mich so aufmerksam betrachtet, dass er sich nie von mir abwendet, so auch Deine Liebe. Und weil Deine Liebe immer mit mir und sie nichts anderes ist als Du selbst, der mich liebt, darum bis Du immer mit mir, Herr, Du verläßt mich nicht. Von allen Seiten behütest Du mich, weil Du aufmerksamst Sorge für mich trägst. Dein Sohn, Herr, verläßt mein Sein nicht. Soweit Du mit mir bist, soweit bin ich. Und da Dein Sehen Dein Sein ist, bin ich also, weil Du mich anblickst.
  Wendest Du Dein Antlitz von mir, so würde ich in keiner Weise weiter bestehen. Aber ich weiß, dass Dein Blick jene größte Güte ist, die nicht anders kann, als sich jedem Aufnahmefähigen mitzuteilen. Darum kannst Du mich nie verlasssen, solange ich fähig bin, Dich aufzunehmen. An mir also liegt es, soviel ich nur vermag, mich immer empfänglicher für Dich zu machen. Ich weiß aber, dass diese Aufnahmefähigkeit, diese Vereinigung gewährt, nichts ist als Ähnlichkeit. Die Unfähigkeit aber stammt aus Unähnlichkeit. Wenn ich mich also in jeder nur möglichen Weise Deiner Gutheit ähnlich gemacht habe, werde ich gemäß dem Grad dieser Ähnlichkeit die Wahrheit empfangen können.

Nikolaus von Kues

aus: Vom Sehen Gottes (De visione Dei), Kapitel 3 




Freitag, 1. Februar 2013

Wie zu Dir gelangen,o Gott, der Du die Unendlichkeit bist?



      Herr und Gott, Helfer derer, die Dich suchen, ich schaue Dich im Garten des Paradieses und ich weiß nicht, was ich sehe, denn ich sehe nichts Sichtbares. Ich weiß allein, dass ich weiß, dass ich nicht weiß, was ich sehe, und dass ich es nie wissen kann. Ich weiß nicht, wie ich Dich benennen soll, weil ich nicht weiß, wer Du bist. Und wenn irgend jemand mir sagte, Du würdest mit diesem oder jenem Namen genannt, dann wüßte ich schon dadurch, dass er einen Namen nennt, dass dies nicht Dein Name ist. Die Mauer, jenseits welcher ich Dich schaue, ist die Grenze für jede Weise einer Namens-Bezeichnung. 
   Legte irgend jemand eine Begriffsbildung [conceptum aliquem] dar, mit dem Du begriffen werden solltest, dann wüßte ich, dass dies nicht ein Begriff für Dich ist: jeder  Begriff findet seine Grenze an der Mauer des Paradieses. Und wenn jemand irgendein Gleichnisbild darlegte und behauptete, man müsse Dich danach erfassen, dann wüßte ich gleichermaßen, dass dies kein Gleichnis für Dich ist.  Genauso: wenn jemand eine Vernunfterkenntnis von Dir berichtete, und damit ein Mittel geben wollte, Dich zu erkennen, dann wäre dieser Mann noch weit von Dir entfernt. Von allem diesem bist Du durch eine hohe Mauer getrennt. Sie trennt alles, was gesagt oder gedacht werden kann, von Dir, weil Du von allem dem, das in das Begriffsvermögen irgendeines Menschen fällt, losgelöst und frei [ab his omnibus absolutus] bist.
   Erhebe ich mich ganz hoch, so sehe ich Dich als die Unendlichkeit. Als diese bist Du unerreichbar, unerfassbar, unnennbar, unvermehrbar und unsichtbar. Darum muss der, welcher sich Dir nähert, sich über jede Grenze, jedes Ende und Endliche erheben. Aber wie soll er zu Dir, dem End-Ziel, auf das er zustrebt, gelangen, wenn er sich über das Ende erheben muss? Tritt nicht der, der sich über das Ende erhebt, in das Unbegrenzte und Unbestimmte, d. h. – hinsichtlich der Vernunfterkenntnis – in Unwissenheit und Verdunklung, die der vernunfthaften Unbestimmtheit eigen sind? 
    Das Vernunft-Denken muss unwissend und ins Dunkel gestellt werden, wenn es Dich sehen will. Indes – was anderes, mein Gott, ist diese Unwissenheit der Vernunft als die wissende Unwissenheit? Kein anderer kann zu Dir herankommen, o Gott, der Du die Unendlichkeit bist, als nur derjenige, dessen Vernunft in Unwissenheit ist, d. h. jener, der weiß, dass er von Dir nichts weiß.




Nikolaus von Kues

aus: Vom Sehen Gottes (De visione dei ), Kap. 13 (Wie Gott als die absolute Unendlichkeit gesehen wird)


www.hoye.de/cus/visione.pdf

Donnerstag, 21. Februar 2008

Mensch und Universum


Das Universum befindet sich
in jedem Menschen,so wie sich
jeder Mensch im Universum
befindet; folglich ist jeder Mensch
im Universum das Universum selbst.


Nikolaus Von Kues