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Dienstag, 4. März 2014

Ewiges reines Licht Gottes



Reines Licht,
geistiges Licht, erfüllt mit Liebe,
Liebe des wahren Guten, erfüllt mit Wonne, 
Wonne übertreffend alle Süßigkeiten.

O du ewiges Licht , 
das allein sich in sich selbst begreift, 
das allein sich selbst erkennt, 
und nur von dir erkannt, 
und nur dich selbst erkennend
... 

Dante Alighieri



(Göttliche Komödie, Paradies, Auszüge aus dem Gesang 30 bzw.33)

Donnerstag, 28. Februar 2013

Wo ein Heute ist und Jetzt, da sieht man Gott.


Wo sieht man Gott? Wo nicht Gestern noch Morgen ist, wo ein Heute ist und Jetzt, da sieht man Gott. Was ist Gott? Ein Meister spricht: Wenn das notwendig sein muss, dass ich von Gott rede, so sage ich, dass Gott etwas ist, was kein Sinn begreifen oder erlangen kann: sonst weiß ich nichts von ihm. Ein anderer Meister sagt: Wer das von Gott erkennt, dass er unbekannt ist, der erkennt Gott. Wenn ich in Paris predige, so sage ich und darf es wohl sagen: Alle hier in Paris können mit all ihrer Wissenschaft nicht begreifen, was Gott in der geringsten Kreatur, auch nur in einer Mücke, ist. Aber ich sage jetzt: Die ganze Welt kann es nicht begreifen. Alles was man von Gott denken kann, das ist Gott ganz und gar nicht. Was Gott an sich selbst ist, dazu kann niemand kommen, der nicht in ein Licht entrückt wird, das Gott selbst ist. Was Gott den Engeln ist, das ist gar fern, und niemand weiß es. Was Gott in einer Gott liebenden Seele ist, das weiß niemand als die Seele, in der er ist. Was Gott in diesen niederen Dingen ist, das weiß ich ein wenig, aber sehr schwach. Wo Gott in der Erkenntnis wohnt, da fällt alle natürliche Sinnlichkeit ab. Dass wir so in ein Licht entrückt werden, das Gott selber ist, um darin in Ewigkeit selig zu sein, das walte Gott. 


Meister Eckhart



Quelle: Meister Eckarts Mystische Schriften, hrsg. von Gustav Landauer, 1903

Freitag, 18. Januar 2013

Der Herr ist in mir, der Herr ist in dir





Der Herr ist in mir, der Herr ist in dir, wie Leben in jedem Samen ist. 
Oh Diener! Tue Deinen falschen Stolz beiseite 
und suche Ihn in Deinem Inneren.
Millionen Sonnen erstrahlen in ihrem Lichterglanz. 
Ein Meer von Blau erstreckt sich über den Himmel.
Das Fieber des Lebens ist gestillt und alle Steine sind fortgewaschen, 
wenn ich inmitten dieser inneren Welt sitze.
Höre den ungeschlagenen Glocken und Trommeln zu! 
Nehme das Vergnügen wahr in Liebe.
Eine Liebe ist es, die die ganze Welt durchdringt, 
wenige sind es, die sie ganz wissen:
Blind sind jene, welche hoffen sie im Lichte der Vernunft zu sehen, 
jene Vernunft, die Trennung verursacht,
aber das Haus der Vernunft ist sehr weit weg!
Wie gesegnet ist Kabîr, dass er inmitten dieser großen Freude 
in seinem eigenen Inneren singt.
Es ist die Musik wo sich Seele und Seele trifft. 
Es ist die Musik, wo die Sorgen vergessen sind.
Es ist die Musik die alles, das herein kommt und alles, das wieder geht, transzendiert.


Kabir


Foto ©: European South Observatory  

Freitag, 14. Dezember 2012

In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht


In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht
ich bin einsam, aber du verläßt mich nicht
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe
ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden
in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld
ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt
den rechten Weg für mich.


Dietrich Bonhoeffer

Freitag, 7. Dezember 2012

Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit...


Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit, ewig alt und ewig neu; spät habe ich dich geliebt. Und siehe, du warst in meinem Innern; ich aber lief hinaus und suchte dich draußen. Hässlich und missgestaltet warf ich mich auf das Schöngestaltete, das du geschaffen hast. Du warst bei mir, ich aber war nicht bei dir. Was von dir so lange mich fern hielt, waren Dinge, die doch gar nicht existierten, wenn sie nicht in dir wären. Du aber riefst mich, und immer lauter riefst du mich und zerrissest meine Taubheit. Dein Licht ging mir auf, und immer strahlender leuchtetest du und verjagtest meine Blindheit... Gekostet habe ich dich, und nun hungere und dürste ich nach dir. Du hast mich angerührt, da bin ich entbrannt in Sehnsucht nach deinem Frieden.

Augustinus von Hippo

(Confessiones X, 27,38)

Donnerstag, 27. September 2012

Die Seele auf der Suche nach Gott


Gott hat alle Dinge für sich selbst getan und hat die Seele sich gleich gemacht, damit sie über allen Dingen, unter allen Dingen, in allen Dingen und außerhalb aller Dinge sein könne und doch ungeteilt in sich selbst bleibe. Doch steht sie auf höherer Stufe, wenn sie in der Wüstung verharrt, wo sie nichts ist und wo kein Werk ist. Sankt Dionysius sagt: Herr, ziehe mich in die Wüste, wo du nicht gebildet bist, damit ich in deiner Wüste alle Bilder verliere. 
Wenn die Seele so über alle Dinge hinausgegangen ist, so spricht sie: Herr, ziehe mich in die Gottheit, wo du nichts bist, denn alles, was etwas ist, halte ich nicht für Gott. Ihren freien Willen gibt sie Gott und wirft sich in ihre Nacktheit und spricht: Herr, ziehe mich in die Finsternis deiner Gottheit, auf dass ich in der Finsternis all mein Leben verliere: Denn alles, was man offenbaren kann, halte ich nicht für Licht. Sie wird so mit Gott vereinigt, dass sie mehr Gott wird, als sie an sich selbst ist. Etwas von Gott ist Gott ganz und gar, und etwas von ihm birgt sein ganzes Wesen. Darum ist er in der niedrigsten Kreatur ebenso vollkommen wie in der obersten. 
Darum ruht sein Begreifen auf seiner väterlichen Kraft. Er begreift sich in sich selbst in allen Kreaturen. Und das Begreifen hat er verhüllt mit dem Gewande der Dunkelheit, dass ihn keine Kreatur so begreifen kann, wie er sich selbst in sich selbst begreift. Was die Seele im Licht begreift, das verliert sie in der Dunkelheit. Und doch trachtet sie nach der Dunkelheit, weil sie das Dunkel wegsamer (begehbarer) dünkt als das Licht. Da verliert sie sich und das Licht in der Dunkelheit.
Die Kraft, die die Seele zum Ziel bringt und sie aus sich selbst ohne ihr Zutun hinausführt, ist Gott. Dass wir Gott Materie, Form und Werk beilegen, geschieht um unserer groben Sinne wegen. Die Meister sagen: Ein Licht erleuchtet nicht und hat weder Form noch Materie und ist doch Kreatur. Wer Gott kennen will, wie er ist, der muss aller Wissenschaft entledigt sein.Wo Gott weder Zeit noch Wesen hat, da ist er ungenannt.

Meister Eckhart

Dienstag, 3. April 2012

Wir sind aus dem Licht


Jesus sprach: Wenn sie zu euch sagen: ‚Woher seid ihr gekommen?’, sagt zu ihnen: ‚Wir sind aus dem Licht, wo das Licht aus sich selbst entstand und sich begründete, und sich in ihrem Bild offenbarte.’ 
Wenn sie zu euch sagen: ‚Wer seid ihr?’, sagt: ‚Wir sind seine Söhne [und Töchter], und wir sind die Auserwählten des lebendigen Vaters.’ 


Wenn sie euch fragen: ‚Welches ist das Zeichen eures Vaters in euch?’, sagt zu ihnen: ‚Es ist Bewegung und Ruhe.’ 




Aus dem Evangelium nach Thomas