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Montag, 11. Februar 2019

Betrachtung der Zeit


Mein sind die Jahre nicht, 
die mir die Zeit genommen.

Mein sind die Jahre nicht, 
die etwa mögen kommen.


Der Augenblick ist mein, 
und nehm ich den in Acht,

so ist der mein, 
der Jahr und Ewigkeit gemacht.


Andreas Gryphius  




Unzeitlichkeit


Wenn man unter Ewigkeit nicht unendliche Zeitdauer versteht, 
sondern Unzeitlichkeit, dann lebt der ewig,
der in der Gegenwart lebt. 
 

Ludwig Wittgenstein  
Tractatus Logico-Philosophicus 6.4311




Sonntag, 3. Februar 2019

Vollendung der Zeit


Kein Ding ist Gott so sehr entgegengesetzt wie die Zeit.

Wer in der Zeit sein Herz auf die Ewigkeit gestellt hat 
und in wem alle zeitlichen Dinge tot sind, 
     da ist Vollendung der Zeit. 

   Meister Eckhart


Sonntag, 27. Januar 2019

Was uns daran hindert, das ewige Wort zu hören


Drei Dinge sind es, die uns hindern, so dass wir das ewige Wort nicht hören. 
Das erste ist die Körperlichkeit, das zweite Vielheit, das dritte ist die Zeitlichkeit.
Wäre der Mensch über diese drei Dinge hinausgeschritten, so wohnte er in der Ewigkeit und wohnte im Geiste und wohnte in der Einheit und in der Wüste, und dort würde er das ewige Wort hören.


Meister Eckhart.


(Deutsche Predigten und Traktate)

Sonntag, 20. Januar 2019

Sieben Grade des schauenden Lebens: Erkenntnis in 7 Schritten




Es gibt sieben Grade des schauenden Lebens. Wer sich im schauenden Leben üben will, der suche eine heimliche Stätte auf und denke zuerst daran, wie edel seine Seele ist, dass sie unmittelbar von Gott ausgeflossen ist, und darüber soll er in eine grosse Freude kommen.


Zum anderen, wenn er dies wohl betrachtet hat, soll er bedenken, wie Gott seine Seele geliebt hat, dass er sie nach dem Bilde der Dreifaltigkeit schuf und dass sie all das aus Gnade werden kann, was Gott von Natur ist. Darüber muss der Mensch notwendigerweise in eine noch grössere Freude fallen, denn es ist viel adliger, dass wir nach dem Bilde der Dreifaltigkeit geschaffen sind, als unmittelbar von Gott ausgegangen.


Zum dritten soll der Mensch darauf verweilen, dass er ewig von Gott geliebt worden ist, denn so wie die Dreifaltigkeit ewig gewesen ist, so hat Gott den Menschen ewig geliebt.


Zum vierten soll der Mensch sich bewusst werden, dass ihn Gott ewig dazu eingeladen hat, dasselbe mit ihm zu geniessen, was Gott ewig genossen hat und immer mehr geniessen soll, das ist Gott selbst.


Zum fünften soll der Mensch in sich selbst eingehen und Gott in sich selbst erkennen. Das geschieht auf diese Weise: Wesen kann nicht ohne Wesen sein. Wesen wird durch Wesen gespeist. Kein Wesen kann von einer Speise ernährt werden, bevor sich die Speise in die wohl geordnete Natur dessen verwandelt hat, der ernährt werden soll. Das kann nur von einem Wesen geschehen, das selber Wesen ist. Es hat aber nichts aus sich selber Wesen als Gott. Darum kann meine Seele von nichts gespeist werden als von Gott. Wenn der Mensch in dieser Weise in sich eingeht, so findet er Gott in sich selbst. Will Gott, dass ich siege, so muss er mir Wesen geben. Kein Wesen kann ohne Gott bestehen. Will er also, dass ich Wesen habe, so muss er sich mir selber geben.


Zum sechsten soll die Seele sich selbst in Gott erkennen. Das geschieht in dieser Weise: Alles, was in Gott ist, ist Gott. Da mein Bild ewig in Gott gewesen ist, wie es noch ist und immer sein muss, darum ist meine Seele ewig eins mit Gott gewesen und ist Gott. Und so finde ich mich in Gott in so hoher Weise stehen, dass ich ewig Gott in Gott gewesen bin. Dies bringt dem Menschen, der sich darin üben kann, eine solche Freude, wie er sie keinem beschreiben kann.

Zum siebenten soll der Mensch Gott in sich selbst erkennen als den Anfangslosen, aus dem alles ausgeflossen ist. Diese Erkenntnis kann in diesem Leben niemandem gänzlich zuteil werden. Das liegt an der Schau göttlichen Seins, die sich hier nicht ereignen kann.




Meister Eckhard



Mittwoch, 17. Juli 2013

Ein Ungrund ohne Anfang und Ende


In der Ewigkeit als im Ungrunde außer der Natur ist nichts als eine Stille ohne Wesen. Es hat nichts, das etwas gebe. Es ist eine ewige Ruhe und keine Gleiche, ein Ungrund ohne Anfang und Ende. Es ist auch kein Ziel noch Stätte, auch kein Suchen oder Finden oder etwas, da eine Möglichkeit wäre. Derselbe Ungrund ist gleich einem Auge, denn es ist sein eigener Spiegel.  Er hat kein Wesen, auch weder Licht noch Finsternis, und ist vornehmlich eine Magia, und hat einen Willen, nach welchem wir nicht trachten noch forschen sollen, denn es verwirrt uns. Mit demselben Willen verstehen wir den Grund der Gottheit, welcher keines Ursprungs ist, denn er fasset sich selber in sich, daran wir billig stumm sind, denn er ist außer Natur.

Jakob Böhme

(Von der Menschwerdung Jesu Christi, Insel Taschenbuch, S. 175)

Das ewige Jetzt


Das Nun, in dem Gott die Welt erschuf, das ist diesem gegenwärtigen Augenblick so nahe wie das Nun, in dem ich momentan spreche, Und der (scheinbar ferne) Jüngste Tag ist diesem selben Nun ebenso nahe wie der gestrige Tag.
Gott ist ein Gott der Gegenwart..., weil alle Dinge da nur Gegenwart sind. und alle Vergangenheit und alle Zukunft Gott fremd und ferne ist. Was am ersten Tage geschah und was am jüngsten geschehen wird, das ist dort gegenwärtig im ewigen Nun.
Alles, was Dasein hat, Zeit oder Ort, das rührt nicht bis zu Gott hinauf; er ist darüber. Wollten wir sagen, dass Gott die Welt erschüfe gestern oder morgen, das wäre eine Torheit von uns. 

Gott erschafft die Welt und alle Dinge ohne Unterlass 
in einem gegenwärtigen Nun.



Meister Eckhart


Wem Zeit ist wie Ewigkeit ...


Wem Zeit ist wie Ewigkeit
Und Ewigkeit wie Zeit,
Der ist befreit
Von allem Streit.

Jakob Böhme

Die Augen der Seele


Zwei Augen hat die Seel: eins schauet in die Zeit,
Das andre richtet sich hin in die Ewigkeit.

Angelus Silesius  

(Cherubinischer Wandersmann, III, 228)

Mittwoch, 26. Juni 2013

Der Unterschied zwischen Zeit und Ewigkeit.


Die Ewigkeit ist das Maß des sich gleichbleibenden Seins,
 Das Sein der vergänglichen Dinge aber wird durch die Zeit gemessen.
Also ist die Ewigkeit das Maß des ersten Seins, nämlich des göttlichen,
die Zeit dagegen Maß der Bewegung, 
und somit des beweglichen veränderlichen Seins.

Thomas von Aquin 

(Summa Theologica 10,4)

Montag, 24. Juni 2013

Zeit und Ewigkeit



Nunc fluens facit tempus, 

nunc stans facit aeternitatem





Das fließende Jetzt macht die Zeit, 

das stehende Jetzt macht die Ewigkeit. 


Boethius

(De Trinitate 4,70) 


Bild:
Zeit und Ewigkeit © Uli Viereck 
www.viereck-kunst.de

Montag, 15. April 2013

Wir sind ein Nichts, auf das sich ein Alles projiziert.

    Wir sind Ebenbilder Gottes, Kunstwerke. Unser innerstes Geheimnis, unsere letzte Daseinsberechtigung ist, dass wir nicht nur wir selbst, sondern Ebenbilder sind. Der Sinn unseres Lebens ist nicht, wir selbst sein, sondern Kopien, Fotos eines anderen. Nur wenn dieser Andere durch uns hindurchscheint, sind wir wir selbst. Wir sind wie eine weiße Leinwand, auf der sich Gott projiziert. Nehmen wir den Film weg, bleibt nichts übrig.
   Diese Dualität ist das Geheimnis des Menschen: wir sind alles, und zur gleichen Zeit sind wir nichts. Wir sind ein Nichts, auf das sich ein Alles projiziert. Wir können aber willentlich dieses Alles auslöschen. Eine sündige Seele ist dann das Nichts.
    Einerseits sind wir Kinder des Nichts, und andererseits sind wir Kinder Gottes, weil Gott uns aus dem Nichts erschuf. Das Nichts und Gott, das ist die Dualität des Menschen.
   Wir sind aus dem Schoße Gottes hervorgegangen, in dem wir die ganze Ewigkeit hindurch ein Teil Gottes waren. Und nie werden wir Frieden finden, ehe wir nicht zu Gott zurückkehren.

     Inzwischen leben wir im Exil. 
   

Ernesto Cardenal

(Das Buch von der Liebe, Peter Hammer Verlag, S. 113)

Mittwoch, 30. Januar 2013

Wenn ich betrachte, was Gott ist...


Wenn ich betrachte, was Gott ist, so sage ich: Er ist das Eine gegen [verglichen mit] der Kreatur, als ein ewig Nichts; er hat weder Grund, Anfang noch Stätte; und besitzet nichts, als nur sich selber: er ist der Wille des Ungrundes, er ist in sich selber nur Eines: er bedarf keinen Raum noch Ort: er gebäret von Ewigkeit in Ewigkeit sich selber in sich: er ist keinem Dinge gleich oder ähnlich, und hat keinen sonderlichen Ort, da er wohne: die ewige Weisheit oder Verstand ist seine Wohne: er ist der Wille der Weisheit, die Weisheit ist seine Offenbarung.

 Jakob Böhme 

(Mysterium Magnum, 1,2)

Freitag, 30. November 2012

Gottes Bild im Menschen


St. Augustinus spricht: "Wenn des Menschen Seele sich ganz hinaufkehrt in die Ewigkeit, in Gott allein, so erscheint und leuchtet auf das Bild Gottes. Wenn sich aber die Seele nach außen kehrt, und seien es selbst äußerliche Tugendübungen, so wird dies Bild völlig verdeckt."

All das von der Seele, das sich hinunterwendet, das nimmt das an, dem es sich dabei zuwendet, [im Bild gesprochen:] es nimmt eine Decke oder eine Art Kopftuch. Was sich aber von der Seele hinaufwendet, das ist ein bloßes Bild Gottes; das ist Gottes Geburt, ganz unverdeckt und bloß in bloßer Seele.
Von dem edlen Menschen - als Gottes Bild, als Gottes Sohn, als göttliche Natur in uns - es kann uns nimmer zerstört werden, nur verdeckt mag es (dann und wann) sein.


Meister Eckhart


aus: Meister Eckhart, Vom Adel der menschlichen Seele, Anaconda Verlag S. 32



Dienstag, 30. Oktober 2012

Die Rose ...





Die Rose, welche hier
dein äußres Auge sieht,
Die hat von Ewigkeit
in Gott also geblüht.

Angelus Silesius

(Cherubinischer Wandersmann I, 108)

Sonntag, 28. Oktober 2012

Die Gabe Gottes


Entweder muss Gott alles geben oder er gibt nichts. Seine Gabe ist ganz einfaltig und vollkommen, ohne eine Teilung, auch nicht gebunden an die Zeit, sondern alles gründet in der Ewigkeit. 
Dessen könnt ihr so gewiss sein wie, dass ich lebe.
Sollen wir also etwas von ihm empfangen, so müssen wir in der Ewigkeit gegründet sein, erhaben über aller Zeitlichkeit. In der Ewigkeit sind alle Dinge gegenwärtig. Das da über mir ist, das ist mir ebenso nah und ebenso gegenwärtig, wie das da hier bei mir ist. Da sollen wir auch nehmen, was wir von Gott haben sollen.


Meister Eckhart


Mittwoch, 29. August 2012

"Weil ich die Liebe selber bin"



Wenn wir fliehen - Du folgst uns nach. 
Kehren wir Dir den Rücken - Du trittst uns vors Angesicht. 
Du flehst voller Demut - aber Du wirst verachtet. 
Weder Beschämung noch Verachtung kann Dich dahin bringen, 
Dich abzuwenden. 
Du bist unermüdlich, uns zu jenen Freuden zu ziehen, 
die kein Auge gesehen, die kein Ohr gehört hat 
und die noch nie in eines Menschen Herz gekommen sind. 

Gertrud von Helfta

(Gesandter der göttlichen Liebe, II,3)






„Dass ich dich überaus liebe, das habe ich von Natur, 
weil ich die Liebe selber bin. 
Dass ich dich oftmals liebe, hab ich von meiner Sehnsucht, 
weil ich ersehne, dass man mich herzlich liebt.
Dass ich dich lange liebe, kommt von meiner Ewigkeit, 
weil ich ohne Anfang und ohne Ende bin ".

Mechthild von Magdeburg

(Das fließende Buch der Gottheit, Buch I,24)


 "Die Erschaffung Adams" von  Andrea Pisano, Florenz
Foto: Wikipedia Commons




Mittwoch, 4. Juli 2012

Ich selbst bin Ewigkeit


Ich selbst bin Ewigkeit,
wenn ich die Zeit verlasse
und mich in Gott
und Gott in mich zusammenfasse.
                                      
Angelus Silesius

(aus dem Cherubinischen Wandersmann)