Freitag, 7. Dezember 2012

Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit...


Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit, ewig alt und ewig neu; spät habe ich dich geliebt. Und siehe, du warst in meinem Innern; ich aber lief hinaus und suchte dich draußen. Hässlich und missgestaltet warf ich mich auf das Schöngestaltete, das du geschaffen hast. Du warst bei mir, ich aber war nicht bei dir. Was von dir so lange mich fern hielt, waren Dinge, die doch gar nicht existierten, wenn sie nicht in dir wären. Du aber riefst mich, und immer lauter riefst du mich und zerrissest meine Taubheit. Dein Licht ging mir auf, und immer strahlender leuchtetest du und verjagtest meine Blindheit... Gekostet habe ich dich, und nun hungere und dürste ich nach dir. Du hast mich angerührt, da bin ich entbrannt in Sehnsucht nach deinem Frieden.

Augustinus von Hippo

(Confessiones X, 27,38)

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