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Mittwoch, 1. November 2017

Nichts ist wesentlicher als die Wahrheit zu wahren



Oh Sadhu!* 
Mein Land ist ein sorgenloses Land.
Ich schreie laut zu allen, zum König und dem Bettler, 
dem Kaiser und dem Fakir.
Wer auch immer im Höchsten sein Obdach sucht, 
lasse sie alle kommen und sich niederlassen in meinem Land!
Lasse die Müden und Erschöpften kommen und ihre Last hier niederlegen!
So lebe hier, mein Bruder, auf dass Du mit Leichtigkeit 
das anderer Ufer überquerst.
Es ist ein Land ohne Erde oder Himmel, ohne Mond oder Sterne;
Denn nur die Strahlen der Wahrheit leuchten ihm in der großen Halle des Palastes meines Herrn.

Kabîr sagt: 
"Oh geliebter Bruder! Nichts ist wesentlich als die Wahrheit zu wahren!"


Kabir

Quelle: Die Lieder des Kabir 



*Sadhu: Sanskrit  „Guter oder auch: Heiliger Mann“

Montag, 11. März 2013

Mache mich einfältig, innig, abgeschieden...





Mache mich einfältig, innig, abgeschieden
Sanfte und im stillen Frieden, 
Mach mich reines Herzens, dass ich deine Klarheit 
Schauen mag in Geist und Wahrheit. 
Lass mein Herz überwärts 
Wie ein Adler schweben 
Und in dir nur leben!


Gerhard Tersteegen

Verse aus dem Lied "Gott ist gegenwärtig"


Foto © Janine Wittig / photocase.com



Montag, 25. Februar 2013

Gott ist im Wesen der Seele zu finden und zu erkennen.


Meister Eckhart sprach, dass wir in dem Wesen der Seele Gott sehen und er- kennen können. Denn je näher ein Mensch in diesem Leben mit seiner Erkenntnis dem Wesen der Seele kommt, umso näher ist er der Erkenntnis Gottes. Und das geschieht allein dadurch, dass wir die Kreatur ablegen und aus uns selbst herausgehen. Du sollst wissen, obschon ich die Kreatur in Gott liebe, so kann ich doch Gott niemals in der Kreatur so rein lieben wie in mir. Du sollst aus dir selbst gehen und dann wieder in dich selbst: Da liegt und wohnt die Wahrheit, die niemand findet, der sie in äußeren Dingen sucht. Als Maria Magdalena sich aller Kreatur entschlug und in ihr Herz hineinging, da fand sie unsern Herrn. Gott ist rein und klar: Darum kann ich Gott nirgends finden als in einem Reinen. Das Innerste meiner Seele aber ist klarer und reiner als jede Kreatur; darum finde ich Gott am allersichersten in meinem Innersten.


Meister Eckhart


Quelle: Meister Eckarts Mystische Schriften, hrsg. von Gustav Landauer, 1903

Sonntag, 3. Februar 2013

Dein Sehen, Herr, ist Lieben


  
  Dein Sehen, Herr, ist Lieben, und wie Dein Blick mich so aufmerksam betrachtet, dass er sich nie von mir abwendet, so auch Deine Liebe. Und weil Deine Liebe immer mit mir und sie nichts anderes ist als Du selbst, der mich liebt, darum bis Du immer mit mir, Herr, Du verläßt mich nicht. Von allen Seiten behütest Du mich, weil Du aufmerksamst Sorge für mich trägst. Dein Sohn, Herr, verläßt mein Sein nicht. Soweit Du mit mir bist, soweit bin ich. Und da Dein Sehen Dein Sein ist, bin ich also, weil Du mich anblickst.
  Wendest Du Dein Antlitz von mir, so würde ich in keiner Weise weiter bestehen. Aber ich weiß, dass Dein Blick jene größte Güte ist, die nicht anders kann, als sich jedem Aufnahmefähigen mitzuteilen. Darum kannst Du mich nie verlasssen, solange ich fähig bin, Dich aufzunehmen. An mir also liegt es, soviel ich nur vermag, mich immer empfänglicher für Dich zu machen. Ich weiß aber, dass diese Aufnahmefähigkeit, diese Vereinigung gewährt, nichts ist als Ähnlichkeit. Die Unfähigkeit aber stammt aus Unähnlichkeit. Wenn ich mich also in jeder nur möglichen Weise Deiner Gutheit ähnlich gemacht habe, werde ich gemäß dem Grad dieser Ähnlichkeit die Wahrheit empfangen können.

Nikolaus von Kues

aus: Vom Sehen Gottes (De visione Dei), Kapitel 3 




Donnerstag, 10. Januar 2013

Die Wahrheit ist ein pfadloses Land


Die  Wahrheit,  die  grenzenlos,  unbedingt,  unnahbar  ist,  auf  welchem Pfad auch immer, kann nicht organisiert werden; auch sollte keine Organisation gebildet werden, um Menschen auf einen besonderen Pfad zu führen oder zu nötigen. Wenn Sie das als erstes verstehen, dann werden Sie sehen, wie unmöglich es ist, einen Glauben zu organisieren. Ein Glaube ist eine rein individuelle Angelegenheit, und Sie können und dürfen ihn nicht organisieren. Wenn Sie es tun, dann stirbt er, erstarrt er; er wird zur Konfession, zu einer Sekte, einer Religion, die anderen aufgenötigt wird.  Das  ist  es  aber,  was  überall  auf  der  Welt  jeder  zu  tun  versucht. Die Wahrheit  wird geschmälert  und  zum  Spielzeug  für  die  Schwachen,  für  diejenigen,  die  nur einen Augenblick unzufrieden sind. Die Wahrheit  kann nicht heruntergeholt  werden;  vielmehr  muss der  einzelne  sich  die  Mühe machen, zu ihr hinaufzusteigen. Sie können den Gipfel des Berges nicht ins Tal herunterholen. Wenn Sie den Gipfel des Berges erreichen wollen, müssen Sie das Tal durchqueren und die steilen Felsen hinaufklettern,  ohne  sich  vor  den  gefährlichen  Klippen  zu  fürchten. Sie müssen die Wahrheit erklimmen, sie kann nicht für Sie »abgestuft« oder organisiert werden. Das Interesse an Ideen wird hauptsächlich  von  Organisationen  am  Leben  erhalten,  doch  Organisationen  erwecken  nur  ein oberflächliches  Interesse.  Ein  Interesse,  das  nicht  aus  der  Liebe  zur Wahrheit  um  ihrer  selbst willen entsteht, sondern durch eine Organisation geweckt wird, ist ohne Wert. Die Organisation wird zum  Rahmen,  in  den  sich  ihre  Mitglieder  bequem  einfügen.  Sie  streben  nicht  länger  nach  der Wahrheit oder nach dem Gipfel des Berges, sondern sie graben sich eine bequeme Nische, in die sie sich setzen, oder sie lassen sich von der Organisation an einen Platz stellen und denken, dass die Organisation sie dadurch zur Wahrheit  führen wird. 


Krishnamurti

Freitag, 26. Oktober 2012

Die Flöte des Unendlichen






Die Flöte des Unendlichen spielt ohne zu verstummen,
und ihr Klang ist die Liebe.
Wenn die Liebe auf alle Grenzen verzichtet,
erreicht sie die Wahrheit.
Wie weit doch ihr Duft reicht!
Sie hat kein Ende, nichts steht ihr im Weg.
Die Form dieser Melodie ist so hell wie Millionen Sonnen:
unvergleichlich klingt die Vina*,
die Vina mit der Noten der Wahrheit.


Kabir

Malerei  © Lidia Wenzl



* Saiteninstrument der klassischen indischen Musik

Sonntag, 23. September 2012

Was der Geist des Menschen ersehnt




"Quid enim fortius desiderat anima quam Veritatem"





Was ersehnt der Geist des Menschen stärker als die Wahrheit?



Augustinus von Hippo


Foto: Thinking © Hilde / photocase.de

Sonntag, 15. Juli 2012

Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt

In kurzem werdet ihr mich nicht mehr sehen, und wiederum in kurzem werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Vater. Da sprachen etliche seiner Jünger zueinander: Was bedeutet das, dass er sagt: In kurzem werdet ihr mich nicht mehr sehen, und wiederum in kurzem werdet ihr mich sehen, und: Ich gehe zum Vater? Sie fragten nämlich: Was bedeutet das, dass er sagt: In kurzem? Wir wissen nicht, was er redet! Jesus merkte, dass sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Ihr befraget einander darüber, dass ich gesagt habe: In kurzem sehet ihr mich nicht mehr, und wiederum in kurzem werdet ihr mich sehen? 

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr werdet weinen und wehklagen, aber die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet trauern; doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. Wenn eine Frau gebiert, so hat sie Traurigkeit, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt geboren ist. So habt auch ihr nun Traurigkeit; ich werde euch aber wiedersehen, und dann wird euer Herz sich freuen, und niemand wird eure Freude von euch nehmen. Und an jenem Tage werdet ihr mich gar nichts fragen.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, was irgend ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er wird es euch geben! Bis jetzt habt ihr gar nichts in meinem Namen gebeten; bittet, so werdet ihr nehmen, auf daß eure Freude völlig werde! Solches habe ich euch in Gleichnissen gesagt; es kommt aber die Stunde, da ich nicht mehr in Gleichnissen zu euch reden, sondern euch offen vom Vater Kunde geben werde. An jenem Tage werdet ihr in meinem Namen bitten, und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten wolle; denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich liebet und glaubet, dass ich von Gott ausgegangen bin.
Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater. Da sagen seine Jünger: Siehe, jetzt redest du offen und brauchst kein Gleichnis! Jetzt wissen wir, dass du alles weißt und nicht nötig hast, dass dich jemand frage; darum glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist!  Jesus antwortete ihnen: Jetzt glaubet ihr? Siehe, es kommt die Stunde, und sie ist schon da, wo ihr euch zerstreuen werdet, ein jeglicher in das Seine, und mich allein lasset; aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. Solches habe ich zu euch geredet, auf dass ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Trübsal; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!
Johannes, 16. Kapitel Vers 16-33 – Schlachter Bibel 1951

Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt. 
(1.Johannes 5,4). 

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Dienstag, 24. Januar 2012

Die Wahrheit ist eins



Komplexität ist nicht von GOTT. Wie könnte sie es sein, wenn alles eins ist, was ER kennt? ER kennt nur eine Schöpfung, eine Wirklichkeit, eine Wahrheit und nur einen Sohn. Nichts steht mit dem Einssein in Konflikt. Wie könnte dann Komplexität in IHM sein? Was gibt es zu entscheiden? Denn es ist Konflikt, der Wahl ermöglicht. Die Wahrheit ist einfach, eins, ohne ein Gegenteil. Und wie könnte Zwietracht in ihre einfache Gegenwart treten und Komplexität dorthin bringen, wo Einssein ist?

Kurs in Wundern Text 26.III,1