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Mittwoch, 1. November 2017

Nichts ist wesentlicher als die Wahrheit zu wahren



Oh Sadhu!* 
Mein Land ist ein sorgenloses Land.
Ich schreie laut zu allen, zum König und dem Bettler, 
dem Kaiser und dem Fakir.
Wer auch immer im Höchsten sein Obdach sucht, 
lasse sie alle kommen und sich niederlassen in meinem Land!
Lasse die Müden und Erschöpften kommen und ihre Last hier niederlegen!
So lebe hier, mein Bruder, auf dass Du mit Leichtigkeit 
das anderer Ufer überquerst.
Es ist ein Land ohne Erde oder Himmel, ohne Mond oder Sterne;
Denn nur die Strahlen der Wahrheit leuchten ihm in der großen Halle des Palastes meines Herrn.

Kabîr sagt: 
"Oh geliebter Bruder! Nichts ist wesentlich als die Wahrheit zu wahren!"


Kabir

Quelle: Die Lieder des Kabir 



*Sadhu: Sanskrit  „Guter oder auch: Heiliger Mann“

Samstag, 10. August 2013

Oh, mein Liebster, welches Ufer ist Dein Ziel?



Oh, mein Liebster, welches Ufer ist Dein Ziel?
                          Es ist kein Reisender vor Dir und kein Weg.
Wo ist Bewegung, wo die Rast zu diesem Ufer?
Da ist kein Wasser, kein Boot, 
kein Fährmann ist dort.
Da ist nicht einmal ein Tau, um das Boot zu schleppen, 
noch ein Mann, der es zieht.
Keine Erde, kein Himmel, keine Zeit, kein Ding gibt es dort: 
kein Ufer, keine Furt.
Dort ist weder Körper noch Verstand.
Wo ist der Ort, der den Durst Deiner Seele stillen soll?
In dieser Leere wirst Du nichts finden. 
Sei stark und gehe in Deinen Körper: Darum ist Deine Standhaftigkeit wichtig.
Oh, mein Liebster, überlege es Dir gut! Gehe nicht woanders hin.
Kabîr sagt: 
"Lege alle Vorstellungen ab und stehe fest in dem, das Du bist." 


Dienstag, 30. Juli 2013

Der Tempel ist offenbart



Ein heftiger Schmerz bekümmert mich Tag und Nacht 
und ich kann nicht schlafen;
Ich sehne mich nach dem Treffen mit meinem Geliebten 
und an meines Vaters Zuhause habe ich keine Freude mehr.





Die Tore des Himmels sind geöffnet, der Tempel ist offenbart:
Ich treffe mein Gemahl und hinterlasse zu seinen Füßen 
die Darbringung meines Körpers und meines Verstandes. 

Kabir


Foto: Statue von  Milarepa im Messner Mountain Museum
 Schloss Sigmundskron (bei Bozen)
© Xenia Illapo

Mittwoch, 17. April 2013

Jenseits aller Worte






Es ist die Barmherzigkeit meines wahren Lehrers, die mich 
das Unbekannte wissen ließ.
Ich habe von Ihm gelernt, wie man ohne Füße gehen, ohne Augen sehen, 
ohne Ohren hören, ohne Mund trinken und ohne Flügel fliegen kann.
Ich habe meine Liebe und meine Meditation in das Land gebracht, in dem keine Sonne ist und kein Mond, noch Tag und Nacht.
Ohne zu essen habe ich von der Süße des Nektars gekostet 
und ohne Wasser habe ich meinen Durst gestillt.
Dort, wo es auf das Vergnügen eine Antwort gibt, dort ist die Fülle der Freude.
Vor wem kann man diese Freude ausdrücken?

Kabîr sagt: 
"Der Lehrer ist groß, jenseits aller Worte und groß ist das Glück des Schülers." 


Kabir



Die Lieder des Kabir


Foto: Meditation © Xenia Illapo

Freitag, 18. Januar 2013

Der Herr ist in mir, der Herr ist in dir





Der Herr ist in mir, der Herr ist in dir, wie Leben in jedem Samen ist. 
Oh Diener! Tue Deinen falschen Stolz beiseite 
und suche Ihn in Deinem Inneren.
Millionen Sonnen erstrahlen in ihrem Lichterglanz. 
Ein Meer von Blau erstreckt sich über den Himmel.
Das Fieber des Lebens ist gestillt und alle Steine sind fortgewaschen, 
wenn ich inmitten dieser inneren Welt sitze.
Höre den ungeschlagenen Glocken und Trommeln zu! 
Nehme das Vergnügen wahr in Liebe.
Eine Liebe ist es, die die ganze Welt durchdringt, 
wenige sind es, die sie ganz wissen:
Blind sind jene, welche hoffen sie im Lichte der Vernunft zu sehen, 
jene Vernunft, die Trennung verursacht,
aber das Haus der Vernunft ist sehr weit weg!
Wie gesegnet ist Kabîr, dass er inmitten dieser großen Freude 
in seinem eigenen Inneren singt.
Es ist die Musik wo sich Seele und Seele trifft. 
Es ist die Musik, wo die Sorgen vergessen sind.
Es ist die Musik die alles, das herein kommt und alles, das wieder geht, transzendiert.


Kabir


Foto ©: European South Observatory  

Samstag, 29. Dezember 2012

Mein Herz sehnt sich nach dem Namen, der Wahrheit ist






Dieser Tag ist lieb zu mir, mehr als alle anderen Tage, 
Denn heute ist der geliebte Herr Gast in meinem Haus; 
Meine Kammer und mein Hof sind schön mit Seiner Anwesenheit. 
Meine Sehnsüchte singen seinen Namen, 
und sie verschwinden in Seiner großen Schönheit: 
Ich wasche seine Füße und ich schaue auf zu seinem Gesicht; 
und ich liege vor Ihm als eine Darbringung meines Körpers, 
meines Verstandes und von allem, was ich habe.
Was für ein Tag der Freude ist der Tag an dem mein Geliebter, 
mein Schatz, in mein Haus kommt! Alle Übel fliehen aus meinem Herzen, 
wenn ich meinen Herrn sehe."Meine Liebe hat ihn berührt; 
mein Herz sehnt sich nach dem Namen, der Wahrheit ist."
Daher singt Kabîr, der Diener aller Diener.


Kabir

Sonntag, 16. Dezember 2012

Gott (Liebe) st die einzige innere Alchemie





Stelle niemals Fragen nach Gott. 

Alles was ist, ist in Gott und ist Gott – wie könnte da Gott das Problem sein? Gott braucht man nicht erst zu suchen: Wo wolltest du ihn suchen? Er ist überall – du brauchst nur zu lernen die Augen deiner Liebe aufzumachen. Sobald die Liebe dein Herz durchdrungen hat, ist Gott da. Im Erschauen der Liebe ist der Geliebte da: In der Erscheinung der Liebe erscheint dir Gott.


Somit ist Gott die einzige innere Alchemie: 

Sie transformiert dein materielles Leben zum göttlichen Leben. Die einzige Alchemie nenne ich sie deshalb, weil damit niederes Metall zu Gold verwandelt wird. Ohne Liebe ist das Leben ein einziges Ödland, grau – ohne Farben, ohne Lieder, ohne Festlichkeit. ... Liebe bringt Farbe: Das Grau wird plötzlich zum Regenbogen, explodiert zu tausend-und-einer Farbe...

Liebe verwandelt schlagartig das ganze Klima deines inneren Daseins – und mit dieser Verwandlung verwandelt sich die gesamte Existenz. Dabei hat sich da draußen gar nichts geändert – aber kaum bist du voller Liebe, tut sich dir eine vollkommen andere Existenz auf. Gott und die Welt sind nicht zweierlei, es gibt nur die eine Existenz. Es gibt nur eine einzige Existenz: Ohne die Augen der Liebe gesehen erscheint sie materiell; ohne die Augen der Liebe gesehen erscheint sie als „die Welt“ – Samsara. Mit den Augen der Liebe gesehen wird die Welt transformiert, verklärt … und dann wird die Welt selber göttlich. Ja, dann ertönt im Sehen Musik. Wenn die Liebe heraufdämmert, geschehen Wunder – dann ertönt selbst im Sehen Musik, erstrahlt in den Tönen die Stille. Liebe ist magisch.
Und Kabirs ganze Lehre läuft auf Liebe hinaus: Er nennt die Liebe „die göttliche Melodie“. Das vor Liebe bebende Herz wird zur Flöte auf den Lippen Gottes … und ein Lied wird geboren. 

Sobald die Liebe geboren ist, bekommst du eine Mitte. Sobald die Liebe geboren ist, bist du zentriert – und alles fällt in Einklang mit dem Zentrum. Du wirst zum Orchester, zu einer wunderbaren Harmonie. Sie ist in dir angelegt: Du hast sie mit auf die Welt gebracht, nur hat sie sich bisher noch nicht zeigen dürfen. Kabir sagt: Bring sie zum Vorschein – lass deine Liebe ans Licht treten. Und dieses Ans-Licht-Treten wird dein Gebet sein. 


Osho


Foto © Xenia Illapo

Freitag, 26. Oktober 2012

Die Flöte des Unendlichen






Die Flöte des Unendlichen spielt ohne zu verstummen,
und ihr Klang ist die Liebe.
Wenn die Liebe auf alle Grenzen verzichtet,
erreicht sie die Wahrheit.
Wie weit doch ihr Duft reicht!
Sie hat kein Ende, nichts steht ihr im Weg.
Die Form dieser Melodie ist so hell wie Millionen Sonnen:
unvergleichlich klingt die Vina*,
die Vina mit der Noten der Wahrheit.


Kabir

Malerei  © Lidia Wenzl



* Saiteninstrument der klassischen indischen Musik

Sonntag, 26. August 2012

Das Rad der Liebe dreht am Himmel





Die Frau, die getrennt ist von ihrem Geliebten,
spinnt an ihrem Spinnrad.
Die Häuser des Körpers erscheinen in ihrer Schönheit
und in ihnen ist der Palast des  Verstandes gebaut.
Das Rad der Liebe dreht am Himmel
und der Sitz ist aus Juwelen des Wissens gemacht.
Welch feine raffinierte Fäden webt die Frau
mit ihrer Liebe und Verehrung.
Kabir sagt: 
"Ich webe die Girlande von Tag und Nacht.
Wenn mein Geliebter kommt und berührt mich mit seinen Füßen,
werde ich ihm meine Tränen anbieten"


Freitag, 10. August 2012

Ich bin eingetaucht in das eine große Vergnügen




Seit dem Tag, als ich meinen Herrn traf, gab es 
kein Ende in unserem Liebesspiel. 
Ich schließe nicht meine Augen; ich verschließe nicht meine Ohren, 
ich kasteie nicht meinen Körper; 
Ich sehe mit offenen Augen und lächle, 
und erblicke seine Schönheit überall: 
Ich spreche seinen Namen aus und was immer ich sehe, 
es erinnert mich an Ihn;  
was immer ich tue, wird zu seiner Verehrung.
Das Aufsteigen und das Absteigen sind Eines für mich. 
Alle Widersprüche sind aufgelöst.
Wo auch immer ich gehe, bewege ich mich um Ihn herum, 
alles was ich vollbringe ist Dienst: 
Wenn ich liege, liege ich zu seinen Füßen nieder. 
Er ist der Einzige, der für mich verehrungswürdig ist: 
Ich habe keinen Anderen. 
Meine Zunge hat die schmutzigen Worte abgelegt, 
sie singt seine Herrlichkeit Tag und Nacht: 
Ob ich aufstehe oder mich setze, ich kann Ihn niemals vergessen; 
denn der Rhythmus seiner Musik schlägt in meinen Ohren. 
Kabîr sagt: 
"Mein Herz ist rasend und ich offenbare 
was in meiner Seele verborgen ist. 
Ich bin eingetaucht in das eine große Vergnügen, 
welches alle Freude und allen Schmerz durchdringt."


Montag, 18. Juni 2012

Er sitzt im Schatten der Liebe



Auf diesem Baum ist ein Vogel: Er tanzt in der Freude des Lebens.
Keiner weiß, wo es ist: Und wer weiß, was sein Refrain bedeuten mag?
Wo die Zweige einen tiefen Schatten werfen, dort hat er sein Nest:
Und er kommt am Abend und fliegt am Morgen wieder fort,
Und er sagt kein Wort darüber, was sein Refrain bedeutet.
Keiner erzählt mir von dem Vogel, der in meinem Inneren singt.
Er ist weder bunt, noch farblos: 
Er hat weder eine Gestalt noch eine Kontur:
Er sitzt im Schatten der Liebe. 
Er wohnt im Inneren der Unerreichbarkeit, in dem Unendlichen und dem Ewigen;
Und niemand nimmt es wahr, wenn er kommt und geht.

Kabîr sagt: "Oh Bruder Sadhu! Es ist ein tiefes Mysterium.
Lasse weise Menschen danach suchen, wo dieser Vogel ruht."
Kabir
Quelle:  http://doormann.tripod.com/kabirlieder.htm

Foto: © Lindenthal / photocase.com

Mittwoch, 13. Juni 2012

Mehr als alles andere verehre ich die Liebe








Mehr als alles andere verehre ich aus ganzem Herzen die Liebe, die mich in dieser Welt ein grenzenloses Leben leben läßt.
Sie gleicht dem Lotus, der im Wasser lebt und auch im Wasser blüht.
Doch reicht das Wasser nicht bis an die Blüten heran 
und kann sie nicht berühren.
Sie öffnen sich jenseits der Reichweite des Wassers.
Es gleicht einer Frau, die das Feuer erreicht durch das Bieten der Liebe.
Dieser Ozean der Welt ist schwer zu überqueren. 
Seine Wasser sind sehr tief.
Kabîr sagt: "Hör mir zu, Sadhu! 
Es sind nur Wenige, die sein Ende erreicht haben."  
Kabir


Donnerstag, 3. Mai 2012

Eines Tages wirst du sehen...


Lampen brennen in jedem Haus, Blinder! Und du kannst sie nicht sehen.
Eines Tages werden deine Augen plötzlich geöffnet und du wirst sehen;
Und die Fesseln des Todes werden sich von Dir lösen.
Es gibt nichts zu sagen oder zu hören, es gibt nichts zu tun
Es ist Er, der lebt, doch tot, der niemals wieder sterben wird.
Weil er in der Abgeschiedenheit lebt, sagt der Yogi, dass er in der Ferne wohnt.
Dein Herr ist nahe: noch kletterst du  auf den Palmenbaum um Ihn zu sehen.
Der Brahmanen Priester geht von Haus zu Haus und gibt den Leuten Einweihungen in den Glauben.
Mitnichten! Der wahre Brunnen des Lebens ist neben dir, 
und du hast dir einen Stein aufgestellt, den du  verehrst.
Kabîr sagt: "Ich könnte niemals ausdrücken, wie köstlich mein Herr ist.
Yoga und den Rosenkranz beten, Tugend und Laster:
sie bedeuten Ihm nichts."


Kabir


Quelle:  http://doormann.tripod.com/kabirlieder.htm

Montag, 9. April 2012

Ein Reichtum, den man mit allen teilen will



Wenn der Baum zu schwer wird von seinen Früchten, 
dann neigen sich langsam seine Äste, bis sie schließlich den Boden berühren. 
Sie sind zu schwer, um noch so stolz, so egoistisch dazustehen wie einst. 
Zum ersten Mal macht ihr Reichtum sie demütig, 
ihr Reichtum holt sie wieder herunter zur Erde.
Sie bitten jemanden, ihnen ihre Früchte zu nehmen, 
damit sie gewichtslos werden und sich wieder 
hoch in den Himmel recken können.
Kabir sagt: 
Genauso steht es um einen, 
dessen Dasein zu einer reifen Frucht geworden ist. 
Er wird demütig, er wird arm. Er ist bereit, mit jedem zu teilen. 
Er fragt nicht, ob du es verdienst oder nicht. 
Er will nur eines: geleert werden. 


Quelle:  http://www.volker-doormann.org/Kabirlieder.pdf

Freitag, 30. März 2012

Betrachte seine unendliche Schönheit!



Geh' nicht in den Garten der Blumen! 
Lieber Freund,
gehe nicht dorthin!

In Deinem Körper ist ein Garten der Blumen.
                      Nimm Platz auf den tausend Blättern des Lotus 
und dort betrachte seine  unendliche Schönheit. 


Kabir