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Samstag, 8. Mai 2021

Ich will Gott bitten, dass er mich leer und rein mache

Ich will Gott niemals bitten, dass er sich mir hingeben soll; ich will ihn bitten, dass er mich leer und rein mache. Denn wäre ich leer und rein, so müsste Gott aus seiner eigenen Natur sich mir hingeben und in mir beschlossen sein.
 
Meister Eckhart

Freitag, 7. Mai 2021

Wenn Gott die Seele in sich zieht...

 

Wenn man einen Tropfen in das wilde Meer gösse, so verwandelte sich der Tropfen in das Meer und nicht das Meer in den Tropfen. So (auch) geschieht es der Seele: wenn Gott sie in sich zieht, so verwandelt sie sich in ihn, so dass die Seele göttlich wird, nicht aber Gott zur Seele ... Da bleibt die Seele in Gott, wie Gott in sich selbst bleibt.

Meister Eckhart

Sonntag, 3. Februar 2019

Vollendung der Zeit


Kein Ding ist Gott so sehr entgegengesetzt wie die Zeit.

Wer in der Zeit sein Herz auf die Ewigkeit gestellt hat 
und in wem alle zeitlichen Dinge tot sind, 
     da ist Vollendung der Zeit. 

   Meister Eckhart


Sonntag, 27. Januar 2019

Was uns daran hindert, das ewige Wort zu hören


Drei Dinge sind es, die uns hindern, so dass wir das ewige Wort nicht hören. 
Das erste ist die Körperlichkeit, das zweite Vielheit, das dritte ist die Zeitlichkeit.
Wäre der Mensch über diese drei Dinge hinausgeschritten, so wohnte er in der Ewigkeit und wohnte im Geiste und wohnte in der Einheit und in der Wüste, und dort würde er das ewige Wort hören.


Meister Eckhart.


(Deutsche Predigten und Traktate)

Sonntag, 20. Januar 2019

Sieben Grade des schauenden Lebens: Erkenntnis in 7 Schritten




Es gibt sieben Grade des schauenden Lebens. Wer sich im schauenden Leben üben will, der suche eine heimliche Stätte auf und denke zuerst daran, wie edel seine Seele ist, dass sie unmittelbar von Gott ausgeflossen ist, und darüber soll er in eine grosse Freude kommen.


Zum anderen, wenn er dies wohl betrachtet hat, soll er bedenken, wie Gott seine Seele geliebt hat, dass er sie nach dem Bilde der Dreifaltigkeit schuf und dass sie all das aus Gnade werden kann, was Gott von Natur ist. Darüber muss der Mensch notwendigerweise in eine noch grössere Freude fallen, denn es ist viel adliger, dass wir nach dem Bilde der Dreifaltigkeit geschaffen sind, als unmittelbar von Gott ausgegangen.


Zum dritten soll der Mensch darauf verweilen, dass er ewig von Gott geliebt worden ist, denn so wie die Dreifaltigkeit ewig gewesen ist, so hat Gott den Menschen ewig geliebt.


Zum vierten soll der Mensch sich bewusst werden, dass ihn Gott ewig dazu eingeladen hat, dasselbe mit ihm zu geniessen, was Gott ewig genossen hat und immer mehr geniessen soll, das ist Gott selbst.


Zum fünften soll der Mensch in sich selbst eingehen und Gott in sich selbst erkennen. Das geschieht auf diese Weise: Wesen kann nicht ohne Wesen sein. Wesen wird durch Wesen gespeist. Kein Wesen kann von einer Speise ernährt werden, bevor sich die Speise in die wohl geordnete Natur dessen verwandelt hat, der ernährt werden soll. Das kann nur von einem Wesen geschehen, das selber Wesen ist. Es hat aber nichts aus sich selber Wesen als Gott. Darum kann meine Seele von nichts gespeist werden als von Gott. Wenn der Mensch in dieser Weise in sich eingeht, so findet er Gott in sich selbst. Will Gott, dass ich siege, so muss er mir Wesen geben. Kein Wesen kann ohne Gott bestehen. Will er also, dass ich Wesen habe, so muss er sich mir selber geben.


Zum sechsten soll die Seele sich selbst in Gott erkennen. Das geschieht in dieser Weise: Alles, was in Gott ist, ist Gott. Da mein Bild ewig in Gott gewesen ist, wie es noch ist und immer sein muss, darum ist meine Seele ewig eins mit Gott gewesen und ist Gott. Und so finde ich mich in Gott in so hoher Weise stehen, dass ich ewig Gott in Gott gewesen bin. Dies bringt dem Menschen, der sich darin üben kann, eine solche Freude, wie er sie keinem beschreiben kann.

Zum siebenten soll der Mensch Gott in sich selbst erkennen als den Anfangslosen, aus dem alles ausgeflossen ist. Diese Erkenntnis kann in diesem Leben niemandem gänzlich zuteil werden. Das liegt an der Schau göttlichen Seins, die sich hier nicht ereignen kann.




Meister Eckhard



Montag, 16. Juni 2014

In dem Fünklein der Seele über Zeit und Raum


Wenn sich der Mensch von sich selbst und von allen geschaffenen Dingen abkehrt, so weit du das tust, so weit wirst du geeint und beseeligt in dem Fünklein der Seele, das nie Zeit oder Raum berührt hat.
Meister Eckhart

Neu geboren in Gott


In einem jeglichen guten Gedanken oder guten Bestreben oder guten Werke werden wir allzeit neu geboren in Gott.
Meister Eckhart

Montag, 4. November 2013

Das "Nichts" - eine Interpretation von Meister Eckhart


In der Predigt 71 interpretiert Meister Eckhart das Wort aus der Apostelgeschichte (9,8) " Paulus stand auf von der Erde und mit offenen Augen sah er nichts" 

" Mich dünkt, dass das Wörtlein nihil (nichts) vielfachen Sinn habe. Der eine Sinn ist dieser: als er aufstand von der Erde, sah er mit offenen Augen nichts, und dieses Nichts war Gott…Der zweite: als er aufstand, da sah er nichts als Gott. Der dritte: in allen Dingen sah er nichts als Gott. Der Vierte: als er Gott sah, da sah er alle Dinge als ein Nichts…
Siehst du irgendetwas oder fällt irgendetwas in dein Erkennen, so ist das Gott nicht. Eben deshalb nicht, weil er weder dies noch das ist. Wer sagt, Gott sei hier oder dort, dem glaubet nicht… Wenn die Seele in das Eine kommt und darin eintritt in eine lautere Verwerfung ihrer selbst, so findet sie dort Gott als in einem Nichts.
Es deuchte einem Menschen wie in einem Traum - es war ein Wachtraum-, er würde schwanger vom Nichts wie eine Frau mit einem Kind, und in diesem Nichts ward Gott geboren. Der war die Frucht des Nichts: Gott ward geboren. Daher heißt es in der Apostelgeschichte:"Paulus stand auf von der Erde und mit offenen Augen sah er nichts".

Meister Eckhart

zitiert nach: Niklaus Brantschen SJ,Pia Gyger,Bernhard Stappel, 

Via integralis. Wo Zen und christliche Mystik sich begegnen: Ein Übungsweg ..., Kösel-Verlag



Sonntag, 29. September 2013

Selbstvergessenheit und Gotteserfahrung


Der Mensch sollte allen Sinnen entweichen und all seine Kräfte nach innen kehren und in ein Vergessen aller Dinge und seiner selber kommen. In diesem Sinne sprach ein Meister zur Seele: Zieh dich zurück von der Unruhe äußerer Werke, flieh also, und verbirg dich vor dem Gestürm äußerer Werke und inwendiger Gedanken, sie schaffen nur Unfrieden. Aber wenn Gott sein Wort in der Seele sprechen soll, muss sie in Friede und Ruhe sein, und dann spricht er sein Wort und sich selbst in der Seele, nicht ein Bild, sondern sich selbst. 


Meister Eckhart

(aus: Meister Eckharts mystische Schriften, übertragen von Gustav Landauer. Predigt "Vom Schweigen")

Mittwoch, 17. Juli 2013

Das ewige Jetzt


Das Nun, in dem Gott die Welt erschuf, das ist diesem gegenwärtigen Augenblick so nahe wie das Nun, in dem ich momentan spreche, Und der (scheinbar ferne) Jüngste Tag ist diesem selben Nun ebenso nahe wie der gestrige Tag.
Gott ist ein Gott der Gegenwart..., weil alle Dinge da nur Gegenwart sind. und alle Vergangenheit und alle Zukunft Gott fremd und ferne ist. Was am ersten Tage geschah und was am jüngsten geschehen wird, das ist dort gegenwärtig im ewigen Nun.
Alles, was Dasein hat, Zeit oder Ort, das rührt nicht bis zu Gott hinauf; er ist darüber. Wollten wir sagen, dass Gott die Welt erschüfe gestern oder morgen, das wäre eine Torheit von uns. 

Gott erschafft die Welt und alle Dinge ohne Unterlass 
in einem gegenwärtigen Nun.



Meister Eckhart


Montag, 17. Juni 2013

Dass Gott in Ruhe ist, das bringt alle Dinge zum Laufen.



Dass Gott in Ruhe ist, das bringt alle Dinge zum Laufen. Etwas ist so lustvoll, das bringt alle Dinge zum Laufen, dass sie zurückkommen in das, von dem sie gekommen sind und das doch unbeweglich in sich selber bleibt, und auf je höherer Stufe ein Ding ist, umso lustvoller läuft es.



Meister Eckhart

(Sprüche)



Freitag, 29. März 2013

Wie Holz in Feuer so werden wir in Gott verwandelt


Das Feuer verwandelt in sich, was ihm anheim gegeben wird und wird seine Natur. Das Holz verwandelt das Feuer nicht, vielmehr verwandelt das Feuer das Holz in sich. So werden wir in Gott verwandelt, damit wir erkennen sollen, wie er ist. 
St. Paul sagt: So werden wir erkennen: ich ihn wie er mich erkennt, weder weniger noch mehr, sondern gleicherweise.

Meister Eckhart


Aus: Meister Eckhart, Vom Adel der menschlichen Seele, Anaconda Verlag, S. 84

Donnerstag, 28. März 2013

Gott und ich, wir sind eins: er wirkt und ich werde


Wenn der Zimmermann nicht wirkt, so entsteht auch das Haus nicht. 
Wo die Axt liegen bleibt, da liegt auch das Werden darnieder. - 
Gott und ich, wir sind eins in diesem Wirken: 
er wirkt und ich werde.


Meister Eckhart


Aus: Meister Eckhart, Vom Adel der menschlichen Seele, Anaconda Verlag, S. 84

Gott und ich im Erkennen und Lieben


Etliche einfältige Leute wähnen, sie sollten Gott sehen, als stehe er da und sie hier. Das ist nicht richtig. Gott und ich, wir sind eins. 
Indem ich erkenne, nehme ich Gott in mich hinein; 
indem ich liebe, gehe ich in Gott ein.


Meister Eckhart


Aus: Meister Eckhart, Vom Adel der menschlichen Seele, Anaconda Verlag, S. 84

Sonntag, 17. März 2013

Gott ist eins, er ist ein Untersagen des Aussagens


Ein Meister sagt: Eins ist ein untersagendes Aussagen. Sage ich: Gott ist gut, da wird etwas beigelegt. Eins ist ein untersagendes Aussagen und ein wehrendes Begehren. Was meint Eins? Etwas, dem nichts beigelegt wird. Die Seele nimmt die Gottheit, wie sie in ihr geläutert ist, wo nichts beigelegt wird, wo nichts gedacht wird. Eins ist ein Untersagen des Aussagens. Alle Kreaturen haben irgendein Untersagen in sich; die eine sagt aus, dass es die andere nicht sei; ein Engel sagt aus, dass er nicht eine andere Kreatur sei. Aber Gott hat ein Untersagen alles Aussagens, er ist eins und untersagt alles andere; denn nichts ist außer Gott. Alle Kreaturen sind in Gott und sind die Gottheit seiner selbst und wollen ihn ausfüllen. Er ist ein Vater aller Gottheit. Darum eine Gottheit, weil nichts ausfließt und nirgends etwas daran rührt und kein Wort gedacht wird. Damit, dass ich von Gott etwas aussage [sage ich von Gott Güte aus, so kann ich Gott nicht aussagen], damit dass ich von Gott etwas aussage, verstehe ich etwas unter ihm, was er nicht ist; eben das muss hinab. 
Gott ist eins, er ist ein Untersagen des Aussagens.


Meister Eckhart

Meister Eckarts Mystische Schriften, hrsg. von Gustav Landauer, 1903

Donnerstag, 28. Februar 2013

Wo ein Heute ist und Jetzt, da sieht man Gott.


Wo sieht man Gott? Wo nicht Gestern noch Morgen ist, wo ein Heute ist und Jetzt, da sieht man Gott. Was ist Gott? Ein Meister spricht: Wenn das notwendig sein muss, dass ich von Gott rede, so sage ich, dass Gott etwas ist, was kein Sinn begreifen oder erlangen kann: sonst weiß ich nichts von ihm. Ein anderer Meister sagt: Wer das von Gott erkennt, dass er unbekannt ist, der erkennt Gott. Wenn ich in Paris predige, so sage ich und darf es wohl sagen: Alle hier in Paris können mit all ihrer Wissenschaft nicht begreifen, was Gott in der geringsten Kreatur, auch nur in einer Mücke, ist. Aber ich sage jetzt: Die ganze Welt kann es nicht begreifen. Alles was man von Gott denken kann, das ist Gott ganz und gar nicht. Was Gott an sich selbst ist, dazu kann niemand kommen, der nicht in ein Licht entrückt wird, das Gott selbst ist. Was Gott den Engeln ist, das ist gar fern, und niemand weiß es. Was Gott in einer Gott liebenden Seele ist, das weiß niemand als die Seele, in der er ist. Was Gott in diesen niederen Dingen ist, das weiß ich ein wenig, aber sehr schwach. Wo Gott in der Erkenntnis wohnt, da fällt alle natürliche Sinnlichkeit ab. Dass wir so in ein Licht entrückt werden, das Gott selber ist, um darin in Ewigkeit selig zu sein, das walte Gott. 


Meister Eckhart



Quelle: Meister Eckarts Mystische Schriften, hrsg. von Gustav Landauer, 1903

Mittwoch, 27. Februar 2013

Gebt euch nicht mit kleinen Dingen ab!


Dass wir Gott nicht zwingen, wozu wir wollen, das liegt daran, dass uns zwei Dinge fehlen: Demut vom Grund des Herzens und kräftiges Begehren. Ich sage das bei meinem Leben, – Gott vermag in seiner göttlichen Kraft alle Dinge, aber das vermag er nicht, dass er dem Menschen, der diese zwei Dinge in sich hat, nicht Gewährung schenke. Darum gebt euch nicht mit kleinen Dingen ab, denn ihr seid nicht zu Kleinem geschaffen; denn weltliche Ehre ist nichts als eine Verwandlung und ein Irrsal der Seligkeit.

Meister Eckhart


Quelle: Meister Eckarts Mystische Schriften, hrsg. von Gustav Landauer, 1903


Wo alle Dinge eins sind, das ist in Gott


Erkenntnis kommt von Vergleichen. Weil also die Seele eine Möglichkeit hat, alle Dinge zu erkennen, darum ruht sie nimmer, bis sie in das erste Bild kommt, wo alle Dinge eins sind, und da ruht sie, das ist in Gott. 
In Gott ist keine Kreatur von anderem Rang als die andere. 
Die Meister sagen: Wesen und Erkenntnis sind ein und dasselbe.

Meister Eckhart



Quelle: Meister Eckarts Mystische Schriften, hrsg. von Gustav Landauer, 1903

Montag, 25. Februar 2013

Gott ist im Wesen der Seele zu finden und zu erkennen.


Meister Eckhart sprach, dass wir in dem Wesen der Seele Gott sehen und er- kennen können. Denn je näher ein Mensch in diesem Leben mit seiner Erkenntnis dem Wesen der Seele kommt, umso näher ist er der Erkenntnis Gottes. Und das geschieht allein dadurch, dass wir die Kreatur ablegen und aus uns selbst herausgehen. Du sollst wissen, obschon ich die Kreatur in Gott liebe, so kann ich doch Gott niemals in der Kreatur so rein lieben wie in mir. Du sollst aus dir selbst gehen und dann wieder in dich selbst: Da liegt und wohnt die Wahrheit, die niemand findet, der sie in äußeren Dingen sucht. Als Maria Magdalena sich aller Kreatur entschlug und in ihr Herz hineinging, da fand sie unsern Herrn. Gott ist rein und klar: Darum kann ich Gott nirgends finden als in einem Reinen. Das Innerste meiner Seele aber ist klarer und reiner als jede Kreatur; darum finde ich Gott am allersichersten in meinem Innersten.


Meister Eckhart


Quelle: Meister Eckarts Mystische Schriften, hrsg. von Gustav Landauer, 1903

Ein himmlisches Licht


Sobald der Mensch sich von den zeitlichen Dingen abwendet und sich seinem Inneren zuwendet, gewahrt er ein himmlisches Licht, das vom Himmel kommt.


Meister Eckhart