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Freitag, 15. März 2013

Gott über alle Gaben


Ich bitte dich, mein Gott, zwar oft um deine Gaben,
Doch wisse, dass ich dich viel lieber selbst will haben.
Drum gib mir, was du willst, es sei auch ewges Leben,
Gibst du mir dich nicht selbst, so hast du nichts gegeben.

Angelus Silesius

(Cherubinischer Wandersmann, 4,30)



Donnerstag, 28. Februar 2013

Das Gebet ist der Verkehr der Seele mit Gott


" Das Gebet ist die höchste Leistung, deren der Menschengeist fähig ist. Aber es ist nicht allein menschliche Leistung: wo die Seele nicht mehr mit ihren Kräften tätig ist, sondern nur noch ein Gefäß, das die Gnade in sich empfängt, spricht man von mystischem Gebetsleben." 

"Das Gebet ist der Verkehr der Seele mit Gott: Gott ist Liebe, und Liebe ist sich selbst verschenkende Güte..." 

"Die Hingabe kennzeichnet das Eigentliche des Gebetes. Im Gebet vollzieht sich die liebende Hingabe des Menschen an Gott und das Sich-Verschenken Gottes an den Menschen... Die schrankenlose, liebende Hingabe an Gott und die göttliche Gegengabe - das ist die höchste Stufe des Gebetes.“ 


"Auf den Stufen der Leiter steigt die Seele zu Gott empor, das heißt zur Vereinigung mit ihm. Je höher sie zu Gott aufsteigt, umso tiefer steigt sie in sich selbst hinab; die Vereinigung vollzieht sich im Innersten der Seele, im tiefsten Seelengrund."


Edith Stein 

Zitiert in "Edith Stein (1891-1942), eine große Gestalt der Kirche" Vortrag von Univ-Prof.Dr Joseph Schumacher, Freiburg i.Br.

Donnerstag, 27. September 2012

Die Seele auf der Suche nach Gott


Gott hat alle Dinge für sich selbst getan und hat die Seele sich gleich gemacht, damit sie über allen Dingen, unter allen Dingen, in allen Dingen und außerhalb aller Dinge sein könne und doch ungeteilt in sich selbst bleibe. Doch steht sie auf höherer Stufe, wenn sie in der Wüstung verharrt, wo sie nichts ist und wo kein Werk ist. Sankt Dionysius sagt: Herr, ziehe mich in die Wüste, wo du nicht gebildet bist, damit ich in deiner Wüste alle Bilder verliere. 
Wenn die Seele so über alle Dinge hinausgegangen ist, so spricht sie: Herr, ziehe mich in die Gottheit, wo du nichts bist, denn alles, was etwas ist, halte ich nicht für Gott. Ihren freien Willen gibt sie Gott und wirft sich in ihre Nacktheit und spricht: Herr, ziehe mich in die Finsternis deiner Gottheit, auf dass ich in der Finsternis all mein Leben verliere: Denn alles, was man offenbaren kann, halte ich nicht für Licht. Sie wird so mit Gott vereinigt, dass sie mehr Gott wird, als sie an sich selbst ist. Etwas von Gott ist Gott ganz und gar, und etwas von ihm birgt sein ganzes Wesen. Darum ist er in der niedrigsten Kreatur ebenso vollkommen wie in der obersten. 
Darum ruht sein Begreifen auf seiner väterlichen Kraft. Er begreift sich in sich selbst in allen Kreaturen. Und das Begreifen hat er verhüllt mit dem Gewande der Dunkelheit, dass ihn keine Kreatur so begreifen kann, wie er sich selbst in sich selbst begreift. Was die Seele im Licht begreift, das verliert sie in der Dunkelheit. Und doch trachtet sie nach der Dunkelheit, weil sie das Dunkel wegsamer (begehbarer) dünkt als das Licht. Da verliert sie sich und das Licht in der Dunkelheit.
Die Kraft, die die Seele zum Ziel bringt und sie aus sich selbst ohne ihr Zutun hinausführt, ist Gott. Dass wir Gott Materie, Form und Werk beilegen, geschieht um unserer groben Sinne wegen. Die Meister sagen: Ein Licht erleuchtet nicht und hat weder Form noch Materie und ist doch Kreatur. Wer Gott kennen will, wie er ist, der muss aller Wissenschaft entledigt sein.Wo Gott weder Zeit noch Wesen hat, da ist er ungenannt.

Meister Eckhart

Das kräftigste Gebet geht aus einem ledigen Gemüt hervor

Das kräftigste Gebet und das wohl allermächtigste, alle Dinge zu erlangen, auch das allerwürdigste Werk von allen Dingen ist jenes, das aus einem ledigen Gemüt hervorgeht. Je lediger es ist, desto kräftiger, würdiger, inniger, löblicher und vollkommener sind das Gebet und das Werk. Das ledige Gemüt vermag alle Dinge.
Doch was ist ein lediges Gemüt?
Das ist ein lediges Gemüt, das durch nichts belastet oder beirrt ist, auch an nichts gebunden ist, das in keinerlei Weise das Seine im Sinne hat, vielmehr ein solches Gemüt, das in den liebsten Willen Gottes eingesenkt ist und sich des Seinen entäußert hat. Nie mag der Mensch ein noch so geringes Werk wirken, das nicht hieraus - eben aus einem ledigen Gemüt heraus - seine Kraft und sein Vermögen schöpft.
So kraftvoll soll man beten, dass man begehrte, alle Glieder und Kräfte seien dem zugekehrt: Augen und Ohren, Herz. Mund und alle Sinne. Und nicht soll man aufhören, man empfinde denn, dass man sich mit dem vereinen will, den man gegenwärtig hat und den man anbetet, das ist: Gott.

Meister Eckhart

Sonntag, 23. September 2012

Die Liebe ist Hingabe und Einswerden


Die Liebe ist ihrem letzten Sinn nach
Hingabe des eigenen Seins
und Einswerden mit dem Geliebten.

Gott, der die Liebe ist, verschenkt sich
an die Geschöpfe, die er zur Liebe geschaffen hat.

Wer sich ihm hingibt, 
der gelangt in der liebenden Vereinigung mit ihm 
zur höchsten Seinsvollendung, zu jener Liebe, 
die zugleich Erkenntnis, Herzenshingabe und freie Tat ist.

Edith Stein

Dienstag, 14. August 2012

O wenn es mir schon hier gelänge...




O wenn es mir schon hier gelänge,
was ich begehre,
und wenn mir gegeben würde,
dass zu mir kommt
mein lieber Wunsch
und du wahrhaftig zu mir umkehrst
und mich erquickst
im überaus lieblichen Kuss 
deiner gnädigen Huld.
O könnte ich doch,
o mein liebstes Lieb,
ganz tief in meinem Inneren
dich ergreifen
und mit Küssen überhäufen,
um, wahrhaft mit dir vereint,
mich dir anzuschmiegen unzertrennlich.

Gertrud von Helfta

Foto © Galle 77 /photocase.com

Montag, 6. August 2012

O Liebe, dich zu genießen...


O Liebe, dich zu genießen,
das ist,
wenn das göttliche Wort und die Seele
sich in größter Huld und Würde
inniglich verbinden,
bewirkt durch die vollkommene
Einung mit Gott.
Mit dir zu verkehren,
das ist,
sich mit Gott zu verflechten.
Dich zu genießen,
das ist,
mit Gott eins zu werden.
Du bist jener Friede,
der alles Sinnen übersteigt,
und du bist dort der Weg,
auf dem man hingelangt zum Brautgemach.

Freitag, 6. Juli 2012

Eines Tages werde ich diesen Mantel ablegen...


Eines Tages werde ich diesen Mantel ablegen, der auf meinen fragilen Schultern lastet,  und mich in Deinen geliebten Armen wieder finden, wo jedes Wort schweigt und nur Dein Hauch  meinen Geist liebkosend berühren wird, gänzlich in Dir verschmolzen.


Un giorno, lascerò questo mantello che grava sulle mie fragili spalle e mi raccoglierò nelle Tue amate braccia, dove ogni parola tace e solo il Tuo respiro, come una carezza, sfiorerà d’amore il mio spirito, perfettamente a Te unito.


Fragmenta 
Liebeslied/Mai2005
© 

Mittwoch, 4. Juli 2012

Ich selbst bin Ewigkeit


Ich selbst bin Ewigkeit,
wenn ich die Zeit verlasse
und mich in Gott
und Gott in mich zusammenfasse.
                                      
Angelus Silesius

(aus dem Cherubinischen Wandersmann)