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Sonntag, 29. September 2013

Selbstvergessenheit und Gotteserfahrung


Der Mensch sollte allen Sinnen entweichen und all seine Kräfte nach innen kehren und in ein Vergessen aller Dinge und seiner selber kommen. In diesem Sinne sprach ein Meister zur Seele: Zieh dich zurück von der Unruhe äußerer Werke, flieh also, und verbirg dich vor dem Gestürm äußerer Werke und inwendiger Gedanken, sie schaffen nur Unfrieden. Aber wenn Gott sein Wort in der Seele sprechen soll, muss sie in Friede und Ruhe sein, und dann spricht er sein Wort und sich selbst in der Seele, nicht ein Bild, sondern sich selbst. 


Meister Eckhart

(aus: Meister Eckharts mystische Schriften, übertragen von Gustav Landauer. Predigt "Vom Schweigen")

Sonntag, 16. Juni 2013

Im Meer kann man kein Tröpflein unterscheiden.





Wenn du das Tröpflein wirst im großen Meere nennen,
Denn wirst du meine Seel' im großen Gott erkennen.

Angelus Silesius



(Cherubinischer Wandersmann 6,172)

Foto: Quelle nicht erinnerlich



Im Meer werden alle Tropfen Meer





Das Tröpflein wird das Meer, wenn es ins Meer gekommen;
Die Seele Gott, wenn sie in Gott ist aufgenommen.

Angelus Silesius


(Cherubinischer Wandersmann 6,171)

Foto : Sunrise @ kazkun /panoramio. com

Donnerstag, 27. September 2012

Die Seele auf der Suche nach Gott


Gott hat alle Dinge für sich selbst getan und hat die Seele sich gleich gemacht, damit sie über allen Dingen, unter allen Dingen, in allen Dingen und außerhalb aller Dinge sein könne und doch ungeteilt in sich selbst bleibe. Doch steht sie auf höherer Stufe, wenn sie in der Wüstung verharrt, wo sie nichts ist und wo kein Werk ist. Sankt Dionysius sagt: Herr, ziehe mich in die Wüste, wo du nicht gebildet bist, damit ich in deiner Wüste alle Bilder verliere. 
Wenn die Seele so über alle Dinge hinausgegangen ist, so spricht sie: Herr, ziehe mich in die Gottheit, wo du nichts bist, denn alles, was etwas ist, halte ich nicht für Gott. Ihren freien Willen gibt sie Gott und wirft sich in ihre Nacktheit und spricht: Herr, ziehe mich in die Finsternis deiner Gottheit, auf dass ich in der Finsternis all mein Leben verliere: Denn alles, was man offenbaren kann, halte ich nicht für Licht. Sie wird so mit Gott vereinigt, dass sie mehr Gott wird, als sie an sich selbst ist. Etwas von Gott ist Gott ganz und gar, und etwas von ihm birgt sein ganzes Wesen. Darum ist er in der niedrigsten Kreatur ebenso vollkommen wie in der obersten. 
Darum ruht sein Begreifen auf seiner väterlichen Kraft. Er begreift sich in sich selbst in allen Kreaturen. Und das Begreifen hat er verhüllt mit dem Gewande der Dunkelheit, dass ihn keine Kreatur so begreifen kann, wie er sich selbst in sich selbst begreift. Was die Seele im Licht begreift, das verliert sie in der Dunkelheit. Und doch trachtet sie nach der Dunkelheit, weil sie das Dunkel wegsamer (begehbarer) dünkt als das Licht. Da verliert sie sich und das Licht in der Dunkelheit.
Die Kraft, die die Seele zum Ziel bringt und sie aus sich selbst ohne ihr Zutun hinausführt, ist Gott. Dass wir Gott Materie, Form und Werk beilegen, geschieht um unserer groben Sinne wegen. Die Meister sagen: Ein Licht erleuchtet nicht und hat weder Form noch Materie und ist doch Kreatur. Wer Gott kennen will, wie er ist, der muss aller Wissenschaft entledigt sein.Wo Gott weder Zeit noch Wesen hat, da ist er ungenannt.

Meister Eckhart

Montag, 16. Juli 2012

Liebe ist die Kraft Gottes im Menschen


"Liebe ist  die nach außen strömende Kraft 
der Seele, 
des Gottes im Menschen." 




N. Sri Ram




Quelle: http://philosophie-zitate.blogspot.com/

Mittwoch, 9. Mai 2012

Suche dich in Mir, und Mich such' nirgends als in dir!


O Seele, suche dich in Mir,
und Mich such' nirgends als in Dir!

Die Liebe hat so wunderbar
O Seel' in mir dich abgebildet,
Dass selbst der beste Maler nicht
Ein solches Bild mit so viel Kunst
Zu schaffen je im Stande wäre.

Durch Liebe wurdest du geschaffen
Voll Huld und Schönheit, und so bist
In meinem Herzen du gemalt;
Verlierst du dich, du vielgeliebte
Seele, so suche dich in Mir!

Ich weiß, dass du dich finden wirst
In meinem Herzen abgebildet,
So nach dem Leben treu getroffen,
Dass dich der Anblick hoch erfreut,
Wenn du schön gemalt dich findest.

Und solltest du vielleicht nicht wissen,
Wo mich du etwa finden kannst,
So laufe nicht lang hin und her;
Nein, wenn du mich zu finden trachtest,
So such' Mich nirgends, als in dir.

Denn du bist selbst ein Brautgemach,
Du bist mein Haus und meine Kammer;
D'rum ruf' ich laut zu jeder Zeit,
Wenn ich in deinem Sinn und Geiste
Die Pforte mir verschlossen finde. 

Du brauchst nicht draußen mich zu suchen,
Denn mich zu finden allezeit,
Bedarf es nichts, als mich zu rufen,
Und eilig werd' ich zu dir kommen;
D'rum such' Mich nirgends, als in dir!

Theresa von Avila 
      in der Übersetzung von Dr. Magnus Jocham [1808-1893]


Originaltext:


Alma, buscarte has en Mí,
y a Mí buscarme has en ti.

De tal suerte pudo amor,
alma, en mí te retratar,
que ningún sabio pintor
supiera con tal primor
tal imagen estampar.

Fuiste por amor criada
hermosa, bella, y así
en mis entrañas pintada,
si te perdieres, mi amada,
Alma, buscarte has en Mí.

Que yo sé que te hallarás
en mi pecho retratada,
y tan al vivo sacada,
que si te ves te holgarás,
viéndote tan bien pintada.

Y si acaso no supieres
dónde me hallarás a Mí,
No andes de aquí para allí,
sino, si hallarme quisieres,
a Mí buscarme has en ti.

Porque tú eres mi aposento,
eres mi casa y morada,
y así llamo en cualquier tiempo,
si hallo en tu pensamiento
estar la puerta cerrada.

Fuera de ti no hay buscarme,
porque para hallarme a Mí,
bastará sólo llamarme,
que a ti iré sin tardarme
y a Mí buscarme has en ti.

Santa Teresa de Avila



Quelle: http://www.ciudadseva.com/textos/poesia/esp/avila/alma.htm