Posts mit dem Label Brautmystik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Brautmystik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 19. November 2012

Eia, Liebe, nun lass dich minnen


Wie der von Liebe Verwundete wieder gesundet





Wird ein Mensch zu einer Stund 
Von wahrer Liebe gänzlich wund, 
So wird er nie mehr recht gesund, 
Er küsse denn denselben Mund, 
Der seine Seele machte wund.

Je mehr seine Lust wächst, 
    um so schöner wird ihre Hochzeit,
Je enger das Minnebett wird, 
    um so inniger wird die Umarmung,
Je süßer das Küssen, 
    um so minniglicher das Anschauen.
Er umarmt sie auch im edlen Wohlgefallen 
    seiner Liebe,
Er grüßt sie mit seinen seligen Augen, 
Wenn sich die Liebenden wahrhaft schauen. 

Er durchküßt sie mit seinem göttlichen
    Munde, 
Wohl dir, ja mehr als wohl, ob der über-
    herrlichen Stunde! 
Er liebt sie mit aller Macht auf dem Lager
     der Minne 
Und sie kommt in die höchste Wonne 
Und in das innigste Weh 
Wird sie seiner recht inne. 

 ...Seligkeit über Seligkeit 
Frieden über Frieden, 
der alle Vorstellungen übersteigt

Eia, Liebe, nun laß dich minnen, 
Und wehre dich nicht mit finsteren Sinnen.




 Mechthild von Magdeburg

(Das fließende Licht der Gottheit, Buch II,15 )





Mittwoch, 15. August 2012

Wir sind beide in eins geflossen




Da sprach 
der liebende Mund,
der meine Seele küsste wund,
in seinen erhabenen Worten,
die ich Unwürdige hörte:
Du bist meiner Sehnsucht Liebesfühlen,
Du bist meiner Brust ein süßes Kühlen,
Du bist ein inniger Kuß meines Mundes,
Du bist eine selige Freude meines Fundes,
Ich bin in dir, du bist in Mir,
Wir können einander nicht näher sein,
Denn wir sind beide in eins geflossen
Und sind in eine Form gegossen
Und verbleiben so ewig unverdrossen.

Mechthild von Magdeburg

(Das fließende Licht der Gottheit, Buch III,V)


Abstrakte Malerei von Fernando Bohorquez
www.bohorquez-atelier.de


Dienstag, 14. August 2012

O wenn es mir schon hier gelänge...




O wenn es mir schon hier gelänge,
was ich begehre,
und wenn mir gegeben würde,
dass zu mir kommt
mein lieber Wunsch
und du wahrhaftig zu mir umkehrst
und mich erquickst
im überaus lieblichen Kuss 
deiner gnädigen Huld.
O könnte ich doch,
o mein liebstes Lieb,
ganz tief in meinem Inneren
dich ergreifen
und mit Küssen überhäufen,
um, wahrhaft mit dir vereint,
mich dir anzuschmiegen unzertrennlich.

Gertrud von Helfta

Foto © Galle 77 /photocase.com

Donnerstag, 9. August 2012

Wie könnte ich denn meiner Natur widerstehn?


Der Fisch kann im Wasser nicht ertrinken,
der Vogel in den Lüften nicht versinken, 
das Gold ist im Feuer nie vergangen, 
denn es wird dort Klarheit und leuchtenden Glanz empfangen. 
Gott hat allen Kreaturen das gegeben, 
dass sie ihrer Natur gemäß leben.
Wie könnte ich denn meiner Natur widerstehn? 
Ich muss von allen Dingen weg zu Gott hingehn, 
der mein Vater ist von Natur, 
mein Bruder nach seiner Menschheit,
mein Bräutigam von Minnen 
und ich seine Braut ohne Beginnen.

Mechthild von Magdeburg

aus "Das fließende Licht der Gottheit"





Montag, 6. August 2012

O Liebe, dich zu genießen...


O Liebe, dich zu genießen,
das ist,
wenn das göttliche Wort und die Seele
sich in größter Huld und Würde
inniglich verbinden,
bewirkt durch die vollkommene
Einung mit Gott.
Mit dir zu verkehren,
das ist,
sich mit Gott zu verflechten.
Dich zu genießen,
das ist,
mit Gott eins zu werden.
Du bist jener Friede,
der alles Sinnen übersteigt,
und du bist dort der Weg,
auf dem man hingelangt zum Brautgemach.