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Freitag, 9. Dezember 2016

Von Deinem Hauch verweht



Wir sind  Federn von Deinem Hauch verweht.
Wir gehen, wohin Du uns treibst, Deinem Willen fügsam, wünschend nur, 
von Deiner Liebe geführt zu werden.

Wir nennen Dich Gott, aber wir wissen nichts von Dir außer, 
dass nur in Dir der Frieden, die Liebe, die Schönheit,
die Gerechtigkeit, das Licht
Vollendung
und vollkommenes, unveränderliches Leben haben.




©
Fragmenta
Liebeslied 2005



Samstag, 14. September 2013

Wir loben dich, Herr!


Wir loben dich Herr, dass du uns gesucht hast in deiner Demut. 
Wir loben dich Herr, dass du uns behalten hast in deiner Barmherzigkeit. 
Wir loben dich Herr, dass du uns geehrt hast mit deinem Leiden und deiner Schmach. 
Wir loben dich Herr, dass du uns erquickt hast in deiner Güte. 
Wir loben dich Herr, dass du uns geordnet hast in deiner Weisheit. 
Wir loben dich Herr, dass du uns beschirmt hast mit deiner Macht. 
Wir loben dich Herr, dass du uns geheiligt hast durch deinen Adel. 
Wir loben dich Herr, dass du uns erleuchtet hast in deiner Vertraulichkeit. 
Wir loben dich Herr, dass du uns erhöht hast in deiner Liebe über alle Kreaturen. 


Mechthild von Magdeburg

Freitag, 29. März 2013

Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil mit mir



Vor dem Passahfest aber, als Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, aus dieser Welt zu dem Vater hinzugehen - da er die Seinen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans Ende. Und bei einem Abendessen, als der Teufel schon dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, es ins Herz gegeben hatte, dass er ihn überliefere,  steht Jesus - im Bewusstsein, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe -  von dem Abendessen auf und legt die Oberkleider ab; und er nahm ein leinenes Tuch und umgürtete sich. Dann gießt er Wasser in das Waschbecken und fing an, die Füße der Jünger zu waschen und mit dem leinenen Tuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. 








Er kommt nun zu Simon Petrus; der spricht zu ihm: Herr, du wäschst meine Füße?  Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, weißt du jetzt nicht, du wirst es aber nachher verstehen. Petrus spricht zu ihm: Du sollst nie und nimmer  meine Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil mit mir. Simon Petrus spricht zu ihm: Herr, nicht meine Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! Jesus spricht zu ihm: Wer gebadet ist, hat nicht nötig, sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern ist ganz rein; und ihr seid rein, aber nicht alle.  Denn er kannte den, der ihn überlieferte; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.  Als er nun ihre Füße gewaschen und seine Oberkleider genommen hatte, legte er sich wieder zu Tisch und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe?  Ihr nennt mich Lehrer und Herr, und ihr sagt recht, denn ich bin es.  Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, eure Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen. Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, dass auch ihr tut, wie ich euch getan habe.  Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ein Sklave ist nicht größer als sein Herr, auch ein Gesandter  nicht größer als der, der ihn gesandt hat.  Wenn ihr dies wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut!



Johannes 13, 1-17   



"La lavanda dei piedi" 
 Fresko von Giotto di Bondone
Cappella degli Scrovegni in Padua


Bild: Wikipedia Commons



Mittwoch, 27. Februar 2013

Gebt euch nicht mit kleinen Dingen ab!


Dass wir Gott nicht zwingen, wozu wir wollen, das liegt daran, dass uns zwei Dinge fehlen: Demut vom Grund des Herzens und kräftiges Begehren. Ich sage das bei meinem Leben, – Gott vermag in seiner göttlichen Kraft alle Dinge, aber das vermag er nicht, dass er dem Menschen, der diese zwei Dinge in sich hat, nicht Gewährung schenke. Darum gebt euch nicht mit kleinen Dingen ab, denn ihr seid nicht zu Kleinem geschaffen; denn weltliche Ehre ist nichts als eine Verwandlung und ein Irrsal der Seligkeit.

Meister Eckhart


Quelle: Meister Eckarts Mystische Schriften, hrsg. von Gustav Landauer, 1903


Montag, 26. November 2012

Gleich einer Flöte, die du füllst mit Tönen



Mein Lied hat seines Schmuckes
sich entäußert,
es ist nicht stolz auf Kleid und Zier.
Der Schmuck könnte unsre Einigkeit zerstören,
er würde zwischen dich und mich sich stellen;
dein Flüstern könnt ertrinken
in dem Klingklang.

Mein Dichterhochmut stirbt in Scham
vor deinem Anblick,
o Meisterdichter,
ich saß dir zu Füßen.
Laß mich mein Leben
grad und einfach machen,
gleich einer Flöte,
die du füllst mit Tönen. 




Rabindranath Tagore

aus Gitanjali


Deutsche Nachdichtung von Marie Luise Gothein [1863-1931]

Sonntag, 29. Juli 2012

Demut als Weg zum Sein

Der Mensch soll sich selbst erniedrigen, und das darf nicht tief genug geschehen, Gott tue es denn.
Und er soll erhöht werden, aber nicht in dem Sinn, als ob das Erniedrigtwerden eines, das Erhöhtwerden  etwas ein anderes sei. Nein, der höchste Punkt der Erhöhung ruht im tiefen Grund der Demut (bzw. des Gedemütigtwerdens) ... Die Höhe und die Tiefe sind eins. Denn je mehr sich einer erniedrigen kann, desto höher ist er. Eben darum sagt unser Herr: Wer der Größte sein will, der werde unter euch der Geringste!
Jenes (Erhöht-)Sein wird nur allein gefunden in diesem (Erniedrigt-) Werden...

All unser Wesen liegt an nichts anderem als in einem Zunichtewerden.

Meister Eckhart