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Donnerstag, 7. Januar 2016

Wer das Eine nicht kennt, dem fehlt alles


Jesus sprach: 
Wer die ganze Welt kennt, doch das Eine nicht, dem fehlt alles.

Aus dem  Evangelium nach Thomas (47)

Freitag, 15. Februar 2013

Scheinbare Vielfältigkeit








Wie sich die Sonne in Millionen von Wassertropfen spiegelt, so spiegelt sich die eine Seele, das eine Selbst, das eine Sein in zahllosen Namen und Gestalten und erscheint daher vielfach. 


 Vivekananda



Foto: Colori  © patano/ panoramio.com

Mittwoch, 30. Januar 2013

Wenn ich betrachte, was Gott ist...


Wenn ich betrachte, was Gott ist, so sage ich: Er ist das Eine gegen [verglichen mit] der Kreatur, als ein ewig Nichts; er hat weder Grund, Anfang noch Stätte; und besitzet nichts, als nur sich selber: er ist der Wille des Ungrundes, er ist in sich selber nur Eines: er bedarf keinen Raum noch Ort: er gebäret von Ewigkeit in Ewigkeit sich selber in sich: er ist keinem Dinge gleich oder ähnlich, und hat keinen sonderlichen Ort, da er wohne: die ewige Weisheit oder Verstand ist seine Wohne: er ist der Wille der Weisheit, die Weisheit ist seine Offenbarung.

 Jakob Böhme 

(Mysterium Magnum, 1,2)

Donnerstag, 8. November 2012

Du führtest zu Freunden mich...



Du führtest zu Freunden mich, 

die ich nicht kannte.
Du wiesest den Sitz mir im Hause,
das nicht mein eigen.
Du brachtest das Ferne mir nah
und machtest mich Bruder dem Fremden.

Mein Herz ist voll Unruh,
wenn ich verlassen muss 
das vertraute Obdach,
und ich vergesse,
dass altes immer im neuen wohnt,
dass auch du dort wohnst.

Durch Geburt und Tod, in dieser Welt
oder in andern,
wohin du mich führst,
du bist es, derselbe, der ein Gefährte
des endlosen Lebens,
der immer mein Herz
mit den Banden der Freude
dem Ungewohnten verbindet.

Dem, der dich kennt, ist nichts mehr fremd,
keine Tür ist verschlossen.
O, gewähr dies Gebet mir,
dass ich nie den Segen verliere,
das Eine zu fassen
im Spiele der Vielen.



Rabindranath Tagore

aus Gitanjali


Deutsche Nachdichtung von Marie Luise Gothein [1863-1931]

Samstag, 23. Juni 2012

Du warst früher schon ganz



 ...Du warst  früher schon ganz; da aber nach dem Ganzen dir auch etwas anderes anhaftete, wurdest du kleiner durch den Zusatz, denn nicht aus dem Seienden war  der Zusatz ( was könnte man Jenem  zusetzen, der  das  Ganze ist?) sondern aus dem Nichtseienden. Wer aber sein Gewordensein auch aus dem Nichtseienden hat, der ist nicht ganz, und er bleibt so, solange er das Nichtseiende nicht abgetan hat. Du wirst also selbst wachsen, wenn du das andere abweist, und erst dann wohnt dir das Eine bei. Bist du aber mit anderem verknüpft, dann erscheint Es nicht. 
Es braucht aber nicht zu kommen, um dir beizuwohnen, denn Es ist da... und du bist auch nicht von Ihm gegangen, nicht irgendwohin gegangen, sondern obwohl gegenwärtig hast du dich auf die andere Seite gedreht. 


Plotin


(Enneaden, VI,5,12 in der Übersetzung von H.F.Müller)


http://www.zeno.org


(Text sprachlich leicht verändert)