Freitag, 21. September 2012

Ich tanze, Herr, wenn Du mich führst.

Ich tanze, Herr, wenn Du mich führst.
Soll ich sehr springen,
musst du anfangen zu singen.
Dann springe ich in die Minne,
von der Minne in die Erkenntnis,
von der Erkenntnis in den Genuss,
vom Genuss über alle menschlichen Sinne.

Dort will ich verbleiben und doch höher kreisen.


Mechthild von Magdeburg

(Das fließende Licht der Gottheit - I,44)

Dienstag, 18. September 2012

Die Liebe allein wird dich von dir selbst erlösen


Hunderte von Dingen magst du ausprobieren, doch Liebe allein wird dich von dir selbst  erlösen. So fliehe nie vor der Liebe, 
nicht einmal vor der Liebe in irdischer Gestalt, 
denn sie ist Vorbereitung auf die höchste Wahrheit.


Alles, was nicht Eins ist, leidet
immer an dem Weh der Trennung,
und wer in die Stadt der Liebe eintritt, 
findet Raum für Einen nur,
und findet ihn im Einssein.


Jami  (Nūr od-Dīn 'Abd or-Raḥmān Ǧāmi)


Donnerstag, 13. September 2012

Entbildet musst du sein



Entbilde dich, mein Kind! So wirst du Gotte gleich
Und bist in stiller Ruh dir selbst dein Himmelreich.

Angelus Silesius

(Der cherubinische Wandersmann, II,54)


Warum bist du in einem Gefängnis eingeschlafen?


Warum, wenn Gottes Welt doch so groß ist,
bist du ausgerechnet in einem Gefängnis eingeschlafen?

Rumi 


Mittwoch, 12. September 2012

Geh in dein Kämmerlein und bete ...

"Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein (in das Taméion) und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten."

Jesus

Matthäus,6,5-6 


Das Kämmerlein, von dem hier die Rede ist, heißt auf Griechisch Taméion und bezeichnet die Vorratskammer, den innersten Raum des Hauses, das einzige Zimmer, das man in dem palästinischen  Haus zu verschließen pflegte, damit niemand sonst hinein durfte.
Also ein verborgener Ort, wo man nach den Worten Jesu allein verweilen soll, nachdem man die Tür geschlossen hat, und im Verborgenen,  in einem intimen Gespräch zu dem Vater beten, der im Verborgenen ist und in das Verborgene sieht. 
Man denke  dabei aber nicht so sehr an einen bestimmten Raum, wo man in aller Ruhe  und Stille beten kann, sondern an einen Raum im Herzen, an einen verborgenen Raum in der "inneren Burg", wo die göttliche Ruhe herrscht. Die Worte Jesu sind in diesem Sinn also eine Aufforderung, sich nach innen zu wenden und in jenen verborgenen Ort des Herzens zu gelangen, wo die Seele schon und immer in enger, ewiger Verbundenheit  mit Gott ist. 

Taméion könnte ebenso jenen Ort in der Seele (das oberste Gesicht der Seele) bezeichnen, von dem Meister Eckhart sagt, dass "darin etwas verborgen liege wie ein Ursprung alles Guten und wie ein leuchtendes Licht, das allezeit leuchtet, und wie ein brennender Brand, der allezeit brennt" [Link]oder jene Kraft in der Seele, wo Gott grünt und blüht [Link].
Aber auch denke ich dabei an den "kleinen leeren Raum im Herzen, der so groß ist wie das ganze Universum ... die wahre Burg des Alls" der Chandogya-Upanishad [Link].


Dienstag, 11. September 2012

Inneres Beten ist ein Verweilen bei einem Freund


Inneres Beten ist  nichts anderes, als das Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft und gern allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt.


Theresa von Avila

(Das Buch meines Lebens, 8,5) 

Freitag, 7. September 2012

In Sanftmut wohnt Gott



Besänftige dein Herz: Gott ist in starken Winden,
In Erdbewegungen und Feuer nicht zu finden.


Angelus Silesius

(Cherubinischer Wandersmann - III,142)

Die verwandelnde Kraft des Gebets



Das Gebet macht 
ein bitteres Herz süß, 
ein trauriges Herz froh, 
ein armes Herz reich, 
ein törichtes Herz weise, 
ein zaghaftes Herz kühn, 
ein schwaches Herz stark, 
ein blindes Herz sehend. 
Es zieht den großen Gott in ein kleines Herz. 
Es treibt die hungrige Seele hinauf zu dem Gott der Fülle.


Mechthild von Magdeburg



Dienstag, 4. September 2012

Die Schönheit kommt von Liebe



Die Schönheit kommt von Liebe;
auch Gottes Angesicht 
hat seine Lieblichkeit
von ihr, sonst glänzt es nicht.

Angelus Silesius

(Der cherubinische Wandersmann - V,292)

Je liebender, je seliger ...



Das Maß der Seligkeit
mißt ihr die Liebe ein;
Je völler du von Lieb,
je seliger wirst du sein.

Angelus Silesius

(Cherubinischer Wandersmann- V,295)

Die Wüste hat zwölf Ding - Musikalische Meditation


Musikalische Meditation nach Worten der Mechthild von Magdeburg.
Komposition  von Reinhard Seehafer



http://youtu.be/sS59ykHGvCA



Undine Dreißig, Mezzosopran; Rossini Quartett Magdeburg; 

Tilmann Schneider, Trompete; Yoichi Yamashita, Solo-Violine;
Gestaltung und Schnitt: Robert-Leonard Seehafer

Die Wüste hat zwölf Ding


Du sollst minnen das Nicht, 
Du sollst fliehen das Icht. 
Du sollst alleine stehn 
Und sollst zu niemand gehn. 
Ruhlos strebend sollst du sein, 
Aller Dinge dich befrein.
Du sollst die Gefangenen entbinden 
Und die Freien überwinden. 
Du sollst die Kranken laben 
Und doch selbst nichts haben.
Du sollst das Wasser der Pein trinken 
Und die Liebesglut mit dem Holze 
    der Tugenden entzünden, 
Dann wohnst du in der wahren Wüste.


Mechthild von Magdeburg

(Das fließende Licht der Gottheit - Buch I, 35)

Ein Herz umschließet Gott



Gar unausmeßlich ist der Höchste, wie wir wissen;
Und dennoch kann ihn ganz ein menschlich Herz umschließn!


Angelus Silesius

(Cherubinischer Wandersmann - III,135) 


Mittwoch, 29. August 2012

"Weil ich die Liebe selber bin"



Wenn wir fliehen - Du folgst uns nach. 
Kehren wir Dir den Rücken - Du trittst uns vors Angesicht. 
Du flehst voller Demut - aber Du wirst verachtet. 
Weder Beschämung noch Verachtung kann Dich dahin bringen, 
Dich abzuwenden. 
Du bist unermüdlich, uns zu jenen Freuden zu ziehen, 
die kein Auge gesehen, die kein Ohr gehört hat 
und die noch nie in eines Menschen Herz gekommen sind. 

Gertrud von Helfta

(Gesandter der göttlichen Liebe, II,3)






„Dass ich dich überaus liebe, das habe ich von Natur, 
weil ich die Liebe selber bin. 
Dass ich dich oftmals liebe, hab ich von meiner Sehnsucht, 
weil ich ersehne, dass man mich herzlich liebt.
Dass ich dich lange liebe, kommt von meiner Ewigkeit, 
weil ich ohne Anfang und ohne Ende bin ".

Mechthild von Magdeburg

(Das fließende Buch der Gottheit, Buch I,24)


 "Die Erschaffung Adams" von  Andrea Pisano, Florenz
Foto: Wikipedia Commons