Samstag, 2. Februar 2019

Versuch nicht, das Heilige zu erklären!


Durch den Versuch, etwas zu erklären, was über Worte hinausgeht, ziehen wir das Heilige auf das Niveau des Profanen und verlieren damit etwas sehr Wertvolles, ohne jemand anderem zu nützen. So wie sich das Mysterium der Liebe nur entfalten kann, wenn es den Augen der Menge entzogen ist, und wie der Liebende seine Liebe nicht mit Aussenstehenden diskutieren wird, in gleicher Weise kann das Mysterium der inneren Verwandlung nur dann vor sich gehen, wenn es dem müssigen Geschwätz der Welt entzogen bleibt.


Lama Anagarika Govinda

Quelle: www.zanartblog.com


Arzt, heile dich vorher selber!

Der selige Antonius pflegte zu sagen: Die Altväter der Vorzeit begaben sich in die Wüste und machten nicht nur sich selber gesund, sondern wurden auch noch Ärzte für andere. Wenn aber von uns einer in die Wüste geht, dann will er andere früher heilen als sich selbst. Und unsere Schwäche kehrt zu uns zurück, und unsere letzten Dingen werden ärger als die ersten, und daher heißt es für uns: Arzt, heile dich vorher selber! 

Weisheit der Wüstenväter

Apophthegmata Patrum
( Sammlung von kurzen Aussagen, die von den ersten christlichen Mönchen  Ägyptens, den sogenannten Wüstenvätern, stammen. Die meisten Sprüche wurden im 4. und 5. Jahrhundert verfasst)

 


Scheinbares und echtes Schweigen


Da sagte Abbas Poimen: 
Da ist ein Mensch, der scheint zu schweigen, 
aber sein Herz urteilt und verurteilt andere. 
Ein solcher redet in Wirklichkeit ununterbrochen. 
Und da ist ein anderer, 
der redet von der Frühe bis zum Abend, 
und doch bewahrt er selbst das Schweigen, 
das heißt, er redet nichts Nutzloses.


 Apophthegmata Patrum
( Sammlung von kurzen Aussagen, die von den ersten christlichen Mönchen  Ägyptens, den sogenannten Wüstenvätern, stammen. Die meisten Sprüche wurden im 4. und 5. Jahrhundert verfasst)

 

Montag, 28. Januar 2019

Der nächste Weg zu Gott




 
Der nächste Weg zu Gott 

ist durch der Liebe Tür;
Der Weg der Wissenschaft 

bringt dich gar langsam für.

Angelus Silesius 

(Cherubinischer Wandersmann, 5. Buch, 320)

Sonntag, 27. Januar 2019

Was uns daran hindert, das ewige Wort zu hören


Drei Dinge sind es, die uns hindern, so dass wir das ewige Wort nicht hören. 
Das erste ist die Körperlichkeit, das zweite Vielheit, das dritte ist die Zeitlichkeit.
Wäre der Mensch über diese drei Dinge hinausgeschritten, so wohnte er in der Ewigkeit und wohnte im Geiste und wohnte in der Einheit und in der Wüste, und dort würde er das ewige Wort hören.


Meister Eckhart.


(Deutsche Predigten und Traktate)

Freitag, 25. Januar 2019

Wahrnehmung und Verständnis






Wenn man sehr jung ist und wenig weiß, sind Berge Berge, 
Wasser ist Wasser und Bäume sind Bäume. 
Hat man studiert und ist aufgeklärt sind Berge nicht mehr Berge, 
Wasser ist nicht mehr Wasser 
und Bäume sind nicht länger Bäume. 
Hat man wirkliches Verständnis gewonnen, sind Berge wieder Berge, 
Wasser ist Wasser und Bäume sind Bäume.

Zen - Weisheit

Foto@ Quelle nicht erinnerlich

Fallende Blätter und Sterne

Die meisten Menschen sind wie ein fallendes Blatt, 
das weht und dreht sich durch die Luft, 
und schwankt, und taumelt zu Boden. 
Andre aber, wenige, sind wie Sterne, 
die gehen eine feste Bahn, kein Wind erreicht sie, 
in sich selber haben sie ihr Gesetz und ihre Bahn. 




Hermann Hesse,  
aus Siddhartha

Sonntag, 20. Januar 2019

Sieben Grade des schauenden Lebens: Erkenntnis in 7 Schritten




Es gibt sieben Grade des schauenden Lebens. Wer sich im schauenden Leben üben will, der suche eine heimliche Stätte auf und denke zuerst daran, wie edel seine Seele ist, dass sie unmittelbar von Gott ausgeflossen ist, und darüber soll er in eine grosse Freude kommen.


Zum anderen, wenn er dies wohl betrachtet hat, soll er bedenken, wie Gott seine Seele geliebt hat, dass er sie nach dem Bilde der Dreifaltigkeit schuf und dass sie all das aus Gnade werden kann, was Gott von Natur ist. Darüber muss der Mensch notwendigerweise in eine noch grössere Freude fallen, denn es ist viel adliger, dass wir nach dem Bilde der Dreifaltigkeit geschaffen sind, als unmittelbar von Gott ausgegangen.


Zum dritten soll der Mensch darauf verweilen, dass er ewig von Gott geliebt worden ist, denn so wie die Dreifaltigkeit ewig gewesen ist, so hat Gott den Menschen ewig geliebt.


Zum vierten soll der Mensch sich bewusst werden, dass ihn Gott ewig dazu eingeladen hat, dasselbe mit ihm zu geniessen, was Gott ewig genossen hat und immer mehr geniessen soll, das ist Gott selbst.


Zum fünften soll der Mensch in sich selbst eingehen und Gott in sich selbst erkennen. Das geschieht auf diese Weise: Wesen kann nicht ohne Wesen sein. Wesen wird durch Wesen gespeist. Kein Wesen kann von einer Speise ernährt werden, bevor sich die Speise in die wohl geordnete Natur dessen verwandelt hat, der ernährt werden soll. Das kann nur von einem Wesen geschehen, das selber Wesen ist. Es hat aber nichts aus sich selber Wesen als Gott. Darum kann meine Seele von nichts gespeist werden als von Gott. Wenn der Mensch in dieser Weise in sich eingeht, so findet er Gott in sich selbst. Will Gott, dass ich siege, so muss er mir Wesen geben. Kein Wesen kann ohne Gott bestehen. Will er also, dass ich Wesen habe, so muss er sich mir selber geben.


Zum sechsten soll die Seele sich selbst in Gott erkennen. Das geschieht in dieser Weise: Alles, was in Gott ist, ist Gott. Da mein Bild ewig in Gott gewesen ist, wie es noch ist und immer sein muss, darum ist meine Seele ewig eins mit Gott gewesen und ist Gott. Und so finde ich mich in Gott in so hoher Weise stehen, dass ich ewig Gott in Gott gewesen bin. Dies bringt dem Menschen, der sich darin üben kann, eine solche Freude, wie er sie keinem beschreiben kann.

Zum siebenten soll der Mensch Gott in sich selbst erkennen als den Anfangslosen, aus dem alles ausgeflossen ist. Diese Erkenntnis kann in diesem Leben niemandem gänzlich zuteil werden. Das liegt an der Schau göttlichen Seins, die sich hier nicht ereignen kann.




Meister Eckhard



Irrlichter

Foto©Belane/photocase.de

Fragmenta
Liebeslied/2005
 @

Die Liebe hat zwei Arme

Foto @ photocase.de

Dienstag, 15. Januar 2019

Das Lächeln Gottes


Strecke deine Hand aus, nimm die Hand des Bruders und sieh 
in jener Berührung das Lächeln Gottes.


 Stendi la tua mano, stringi la mano del fratello  e cogli in quella stretta 
il sorriso di Dio.



Fragmenta 
Liebeslied/Mai2005 
©

Montag, 14. Januar 2019

In jedem Augenblick vollkommen


Die Welt, mein Freund, ist nicht unvollkommen, 
oder auf einem langsamen Weg zur Vollkommenheit begriffen: 
nein, sie ist in jedem Augenblick vollkommen, 
alle Sünde trägt schon die Gnade in sich, 
alle kleinen Kinder haben schon den Greis in sich, 
alle Säuglinge den Tod, 
alle Sterbenden das ewige Leben.


Hermann Hesse,
aus Siddhartha

Sonntag, 13. Januar 2019

Die Schwelle überschreiten


Der Inder sagt «Atman»,

der Chinese sagt «Tao», 

der Christ sagt «Gnade». 

Wo jene höchste Erkenntnis da ist 

(wie bei Jesus, bei Buddha, bei Plato, bei Laotse),

da wird eine Schwelle überschritten,

hinter der die Wunder beginnen.



Hermann Hesse, Betrachtungen



Die Welt und alle Wesen mit Liebe betrachten



Die Welt zu durchschauen, sie zu erklären, sie zu verachten, mag großer Denker Sache sein.
Mir aber liegt einzig daran, die Welt lieben zu können, 
sie nicht zu verachten, 

sie und mich nicht zu hassen, sie und mich und alle Wesen 
mit Liebe und Bewunderung und Ehrfurcht  betrachten zu können.  



Hermann Hesse, Siddhartha