Sonntag, 20. Januar 2019

Irrlichter

Foto©Belane/photocase.de

Fragmenta
Liebeslied/2005
 @

Die Liebe hat zwei Arme

Foto @ photocase.de

Dienstag, 15. Januar 2019

Das Lächeln Gottes


Strecke deine Hand aus, nimm die Hand des Bruders und sieh 
in jener Berührung das Lächeln Gottes.


 Stendi la tua mano, stringi la mano del fratello  e cogli in quella stretta 
il sorriso di Dio.



Fragmenta 
Liebeslied/Mai2005 
©

Montag, 14. Januar 2019

In jedem Augenblick vollkommen


Die Welt, mein Freund, ist nicht unvollkommen, 
oder auf einem langsamen Weg zur Vollkommenheit begriffen: 
nein, sie ist in jedem Augenblick vollkommen, 
alle Sünde trägt schon die Gnade in sich, 
alle kleinen Kinder haben schon den Greis in sich, 
alle Säuglinge den Tod, 
alle Sterbenden das ewige Leben.


Hermann Hesse,
aus Siddhartha

Sonntag, 13. Januar 2019

Die Schwelle überschreiten


Der Inder sagt «Atman»,

der Chinese sagt «Tao», 

der Christ sagt «Gnade». 

Wo jene höchste Erkenntnis da ist 

(wie bei Jesus, bei Buddha, bei Plato, bei Laotse),

da wird eine Schwelle überschritten,

hinter der die Wunder beginnen.



Hermann Hesse, Betrachtungen



Die Welt und alle Wesen mit Liebe betrachten



Die Welt zu durchschauen, sie zu erklären, sie zu verachten, mag großer Denker Sache sein.
Mir aber liegt einzig daran, die Welt lieben zu können, 
sie nicht zu verachten, 

sie und mich nicht zu hassen, sie und mich und alle Wesen 
mit Liebe und Bewunderung und Ehrfurcht  betrachten zu können.  



Hermann Hesse, Siddhartha




Beten heißt Erkennen


Gebet besteht nicht in dem Bemühen Gott zu erreichen, sondern darin,
unsere Augen zu öffnen und zu erkennen, dass wir schon bei ihm sind.

Thomas Merton 


Freitag, 11. Januar 2019

Gebet um die Toleranz


An Dich richte ich meine Bitte, Gott aller Welten, aller Wesen, aller Zeiten!! 
Du hast uns Herzen gegeben, nicht, damit wir einander hassen, und Hände, nicht, damit wir uns gegenseitig erwürgen. Gib, dass die winzigen Unterschiede in den Kleidern, die unseren gebrechlichen Leib bedecken, in unseren unzulänglichen Sprachen, in unseren lächerlichen Bräuchen, in unseren unvollkommenen Gesetzen, in unseren sinnlosen Überzeugungen, gib, dass alle diese winzigen Unterschiede, die uns so ungeheuer erscheinen und die nichtig sind vor Dir, gib, dass sie nicht ein Signal des Hasses und der Verfolgung werden...
 
Möchten doch alle Menschen sich erinnern, dass sie Brüder sind! 

Gib, dass die Menschen Tyrannei über die Seelen genauso verabscheuen und in den Bann tun wie Raub und Gewalt. Und wenn Kriege unvermeidlich sind, dann gib, dass wir uns wenigstens nicht auch mitten im Frieden gegenseitig hassen und zerreißen, sondern unsere Existenz dazu verwerten, in tausend Sprachen, doch in einem Gefühl, von Siam bis Kalifornien, Deine Güte zu preisen, die uns den kurzen Augenblick geschenkt hat, den wir Leben nennen. 

Voltaire


( Traktat über die Toleranz , 1763)

Donnerstag, 10. Januar 2019

Ein jedes in dem Seinigen


Der Vogel in der Luft, 
der Stein ruht auf dem Land. 
Im Wasser lebt der Fisch, 
mein Geist in Gottes Hand.


Angelus Silesius
(Cherubinischer Wandersmann, 1.Buch, 80)

Die große Macht des Gebets


Das Gebet hat große Macht, das ein Mensch verrichtet mit seiner ganzen Kraft. Es macht ein bitteres Herz süß, ein trauriges Herz froh, ein armes Herz reich, ein törichtes Herz weise, ein zaghaftes Herz kühn, ein schwaches Herz stark, ein blindes Herz sehend, eine kalte Seele brennend. Es zieht den großen Gott in ein kleines Herz, es treibt die hungrige Seele hinauf zu dem Gott der Fülle.

   

Mechthild von Magdeburg

Montag, 7. Januar 2019

Liebe lässt sich bewahren, indem man sie verschenkt


Liebe lässt sich nur bewahren, indem man sie verschenkt. Ein Glück, das wir für uns allein suchen, ist nirgends zu finden, denn ein Glück, das sich verringert, wenn wir es mit anderen teilen, ist nicht groß genug, 
um uns glücklich zu machen.


Thomas Merton 


Samstag, 5. Januar 2019

Auf der Suche nach dir selbst

Ohne es zu wissen, bist du auf der Suche nach dir selbst. 
Du sehnst dich nach Liebe, nach dem, was der Liebe würdig ist,
nach dem absolut Liebenswerten. 
Auf Grund deiner Unwissenheit 
suchst du in der Welt  der Gegensätze und Widersprüche.

Wenn du es in dir selbst findest, dann wird deine Suche vorüber sein. 



Nisargadatta Maharaj 

Quelle: www.zanartblog.com


Liebe darf man weder erflehen noch einfordern


Liebe darf man nicht erflehen und schon gar nicht einfordern.
Liebe muss in sich selbst die Kraft haben, Gewissheit zu schaffen.
Dann wird sie nicht mitgerissen, sondern wird mitreissen.


Hermann Hesse

Sonntag, 4. März 2018

Die Liebe grüßte mich...



Die Liebe grüßt’ mich, 
doch meine Seele wich weg
voll Schuld und Sünd und Schmutz.
Doch die scharfäugige Liebe, die mein Zögern sah,
als ich am Eingang stand,
trat näher, stellte zart die Frage,
ob irgend etwas fehlt. 
"Ein Gast", erwidert’ ich, "der wert ist, hier zu sein."
Sie sprach: "Du sollst es sein."
"Bin ich nicht lieblos, undankbar?
 Geliebter,
 ach, wie könnt’ ich dich anschaun!""
Die Hand nahm Liebe, lächelnd wand sie ein:
"Wer schuf das Aug’ als ich?" 
"Wahr, Herr! Doch ich verdarb es; meine Schmach
sei, wo sie hingehört."
"Weißt du denn nicht," sprach Liebe, "wer die Schande trug?
Lass dienen, Liebster, dir.
Du setz’ dich hin, sprach Liebe, kost’ mein Mahl!"
So setzt’ ich mich und aß.

George Herbert
(1593-1633)



veröffentlicht in dem Gedichtband "Temple", 1633, kurz nach seinem Tod

Übertragung aus: G. Stachel,
Simone Weil - Christus - die katholische Kirche, in:
Religionspädagogische Beiträge 37/ 1996, S. 78 f