Jetzt wirst du mich fragen: "Wie soll ich an Ihn denken, und was ist Er?" Darauf kann ich dir nur antworten: Ich weiß es auch nicht. Denn du hast mich mit deiner Frage in die gleiche Dunkelheit und in die gleiche Wolke des Nichtwissens versetzt, in der ich dich selbst gern sähe. Denn alle anderen Geschöpfe und ihre Werke ja sogar die Werke Gottes selbst kann man durch Gnade zur Gänze erkennen, und es ist gut möglich, sich mit ihnen in Gedanken zu beschäftigen. Aber Gott selbst kann kein Mensch gedanklich erfassen. Und daher will ich alles, was ich denken kann, hinter mir lassen und zum Gegenstand meiner Liebe das erwählen, das nicht gedacht werden kann. Denn Gott kann wohl geliebt, aber nicht gedacht werden. Von der Liebe lässt er sich fassen und halten, vom Intellekt jedoch nicht. Und wenn es darum auch zuweilen gut ist, an die Güte und Erhabenheit Gottes im besonderen zu denken und wenn das auch den Geist erleuchtet und einen Teil der mystischen Kontemplation bildet, müssen doch solche Gedanken bei diesem Werk abgeworfen und mit einer Wolke des Vergessens bedeckt werden. Sodann musst du mit festem, freudigem Schritt über sie emporsteigen und mit einer innigen und süßen Liebesregung versuchen, das Dunkel, das über dir ist, zu durchdringen. Bohre den spitzen Speer der sehnenden Liebe in diese dichte Wolke, und lass nicht davon ab, was immer geschehen mag.
"Gott ist Licht wegen seiner Helligkeit, Friede wegen seiner Ruhe, eine Quelle wegen seiner überfließenden Fülle und der Ewigkeit."( Bernhard von Clairvaux)
"Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Licht sehen wir das Licht"
( Psalm 36,10)
"Suche den Klang, der nie vergeht.
Suche die Sonne, die niemals untergeht.“ (Rumi)
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Donnerstag, 24. Oktober 2013
Freitag, 18. Oktober 2013
Das wahre Licht
Gott ist das wahre Licht, du hast sonst nichts als Glast,
im Falle du nicht ihn, das Licht der Lichter, hast.
Angelus Silesius
(Cherubinischer Wandersmann, Band II, 7)
Bild: Die Alexanderschlacht (Detail), Gemälde des Malers A. Altdorfer
Sonntag, 13. Oktober 2013
Der mystische Zustand
So beschreibt Simone Weil den mystischen Zustand in den Upanishaden:
"Dies ist der Zustand der jenseits allen Wünschens ist, der das Böse beseitigt, in dem keine Frucht ist. Wie jener, der von einer geliebten Frau umschlungen wird, nichts mehr erkennt, was immer es auch sei, außen oder innen, so erkennt auch der Geist, vom geistigen Atman umschlungen, nichts mehr, was immer es auch sei, außen oder innen. Dies ist der Zustand, in dem das Verlangen erfüllt ist, in dem man nur nach dem Atman verlangt, in dem nicht verlangt; der Zustand, der jenseits des Leidens ist. Hier ist der Vater nicht der Vater, ist die Mutter nicht die Mutter, sind die Welten nicht Welten, sind die Götter nicht Götter, sind die Veden nicht Veden. Hier ist der Dieb nicht Dieb, ist der Abtreiber nicht Abtreiber, ist der Asket nicht Asket. Ihm folgt nicht das Gute, ihm folgt nicht das Böse. Er ist so jenseits aller Leiden des Herzens. Dieses Wesen, das nicht sieht, ist ein Seher, der nicht sieht...Dieses Wesen, das nicht erkennt, ist ein Erkennen, der nicht erkennt…
Da, wo etwas anderes ist, da kann das eine das andere sehen, das andere spüren, das andere schmecken, das andere sagen, das andere hören, das andere vorstellen, das andere berühren, das andere erkennen. Zwischen den Wassern ist ein einziges Wesen, ein Seher ohne Gegenstand, das ist die Welt des Brahman. Das ist der höchste Weg, die höchste Welt, die höchste Glückseligkeit. Die anderen Wesen leben von einem Körnchen dieser Glückseligkeit"
Simone Weil (1909-1943)
Cahiers/Aufzeichnungen (1. Band)
zitiert nach: Wolfgang W.Müller, Simone Weil: theologische Splitter, Theologischer Verlag Zürich, S. 108-109
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Wer kann die Freude der Gemeinschaft mit Gott verstehen?
Wie ein kleines Kind keine Verständnisfähigkeit für die Freude der ehelichen Vereinigung hat, so kann sich ein Weltling keinen Begriff machen von der ekstatischen Freude der Gemeinschaft mit Gott.
Ramakrishna
Donnerstag, 3. Oktober 2013
Das Königreich ist in euch
Jesus sprach:
"Wenn die, die euch führen, euch sagen: Seht, das Königreich ist im Himmel, so werden die Vögel des Himmels euch vorangehen.
Wenn sie euch sagen: es ist im Meer, so werden die Fische euch vorangehen.
Wenn sie euch sagen: es ist im Meer, so werden die Fische euch vorangehen.
Aber das Königreich ist in euch, und es ist außerhalb von euch.
Wenn ihr euch erkennen werdet, dann werdet ihr erkannt, und ihr werdet wissen, dass ihr die Söhne des lebendigen Vaters seid. Aber wenn ihr euch nicht erkennt, dann seid ihr in der Armut, und ihr seid die Armut."
aus dem Evangelium nach Thomas
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Dienstag, 1. Oktober 2013
Gott ist die Fülle von allem und der Verzicht auf alles
Gott ist die Fülle von allem und der Verzicht auf alles; die Jenseitigkeit selbst, über der alles umschlossen liegt; kein Sein und Nichtsein kann Ihn treffen und Ja und Nein erreichen Ihn nicht…
Er ist auch nicht Wissen, nicht Wahrheit, nicht Herrschaft, nicht Weisheit, nicht die Eins oder die Einheit oder Göttlichkeit oder Güte oder Schönheit oder Geist in dem Sinne, in welchem wir Menschen es begreifen könnten. Er ist nicht Vaterschaft, nicht Kindhaft, nichts was sich mit irgendetwas Bekanntem oder Erfahrenem irgendeines lesbaren Wesens vergleichen ließe. Er ist nichts von dem, was dem Nichtsein angehört, aber auch nichts von dem, was dem Sein angehören könnte.
Und so kann niemand erkennen, so wie Er ist, aber auch Er, als der Unendliche schlechthin, kennt uns nicht: Er kann das Endliche nicht als ein bloß Endliches hinnehmen, denn such dies wäre schon Verzicht auf Unendlichkeit. So entzieht Er sich unserem denken, Rufen, Wissen, ist auch nicht Dünken, auch nicht Helle, nicht Irrtum oder Wahrheit; man kann Ihm nichts zusprechen vor anderen, nichts absprechen vor anderen, nichts anvertrauen und nichts ableugnen - denn wenn wir Ihm in Endlichen Grenzen setzen, durch Zuspruch oder durch Leugnung, muten wir Ihm Beschränkungen zu, die an Ihn niemals heranreichen können.
Dionysius Areopagita ( 6. Jhr.)
Sonntag, 29. September 2013
Selbstvergessenheit und Gotteserfahrung
Der Mensch sollte allen Sinnen entweichen und all seine Kräfte nach innen kehren und in ein Vergessen aller Dinge und seiner selber kommen. In diesem Sinne sprach ein Meister zur Seele: Zieh dich zurück von der Unruhe äußerer Werke, flieh also, und verbirg dich vor dem Gestürm äußerer Werke und inwendiger Gedanken, sie schaffen nur Unfrieden. Aber wenn Gott sein Wort in der Seele sprechen soll, muss sie in Friede und Ruhe sein, und dann spricht er sein Wort und sich selbst in der Seele, nicht ein Bild, sondern sich selbst.
(aus: Meister Eckharts mystische Schriften, übertragen von Gustav Landauer. Predigt "Vom Schweigen")
Gott ergreift man nicht
Gott ist ein lauter Nichts, ihn rührt kein Nun noch Hier:
Je mehr du nach ihm greifst, je mehr entwird er dir.
Angelus Silesius
(Cherubinischer Wandersmann, 1.Buch, 25)
Suche nichts als ein reines Entsinken in das verborgene Gut
Suche nichts als ein reines, einfaches Entsinken
in das reine, einfache,unbekannte, namenlose,
verborgene Gut, das Gott ist,
und in alles, was sich in ihm enthüllen mag.
Alles soll sich an sein Nichts halten:
Nichts wissen, nichts erkennen, nichts wollen,
nichts suchen, nichts haben wollen.
Suche weder Empfindung noch Erleuchtung!
Entsinke in dein Nicht-wissen
und Nicht-wissen-wollen!
Die Tiefe, die in Gott ist,
ist ein solcher Abgrund,
dass aller geschaffene Verstand
sie nicht zu erreichen
noch zu ergründen vermag.
Dieser Tiefe soll der Mensch begegnen
mit der eigenen Tiefe:
das ist, dem grundlosen Abgrund
einer unergründlichen Selbstvernichtung.
Das heißt: könnte er ganz
zu einem lauteren Nichts werden,
das hielte er für recht und billig.
Das kommt aus der Tiefe
und der Erkenntnis seines Nichts.
Johannes Tauler
Donnerstag, 26. September 2013
Gott ist die erste Ursache aller Dinge
Gott ist die erste Ursache aller Dinge:
denn die beschränkten Dinge, wie alles, was wir sehen und erfahren, sind zufällig und besitzen nichts, was ihnen notwendige Existenz verleiht; ist es doch offenbar, dass Zeit, Raum und Materie, an sich einheitlich und gleichförmig und gegen alles gleichgültig, andere Bewegungen und Gestalten in anderer Anordnung erhalten konnten. Es gilt also, den Grund für die Existenz der Welt, als den Zusammenschluss aller zufälligen Dinge, aufzusuchen, und zwar in der Substanz, die den Grund ihrer Existenz in sich selbst trägt und die darum notwendig und ewig ist.
denn die beschränkten Dinge, wie alles, was wir sehen und erfahren, sind zufällig und besitzen nichts, was ihnen notwendige Existenz verleiht; ist es doch offenbar, dass Zeit, Raum und Materie, an sich einheitlich und gleichförmig und gegen alles gleichgültig, andere Bewegungen und Gestalten in anderer Anordnung erhalten konnten. Es gilt also, den Grund für die Existenz der Welt, als den Zusammenschluss aller zufälligen Dinge, aufzusuchen, und zwar in der Substanz, die den Grund ihrer Existenz in sich selbst trägt und die darum notwendig und ewig ist.
Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz
(1646 - 1716)
Der Herr ist auf meinem Haupte wie ein Kranz
Der Herr ist auf meinem Haupte wie ein Kranz,
und nicht werde ich von ihm weichen.
Geflochten ist mir der wahre Kranz,
und er hat Deine Zweige in mir aufsprießen lassen.
und er hat Deine Zweige in mir aufsprießen lassen.
Denn er gleichet nicht einem vertrockneten Kranz,
der nicht aufsprießt,
sondern Du bist lebendig auf meinem Haupte,
und Du bist mir entsprossen.
Deine Früchte sind voll und vollkommen (reif),
angefüllt mit Deinem Heile ....
aus: "Ein jüdisches-christliches Psalmbuch aus dem 1. Jahrhundert", Leipzig 1910
angefüllt mit Deinem Heile ....
Oden Salomos (1. Ode)
aus: "Ein jüdisches-christliches Psalmbuch aus dem 1. Jahrhundert", Leipzig 1910
Dienstag, 24. September 2013
Reden und Schweigen ( 2 )
Einmal sagte Abbas Poimen:
"Da ist ein Mensch, der scheint zu schweigen, aber sein Herz urteilt und verurteilt andere. Ein solcher redet in Wirklichkeit ununterbrochen. Und da ist ein anderer, der redet von der Frühe bis zum Abend, und doch bewahrt er selbst das Schweigen, das heißt, er redet nichts Nutzloses."
Apophthegmata Patrum
(Sammlung von kurzen Aussagen, die von den ersten christlichen Mönchen Ägyptens, den sogenannten Wüstenvätern, stammen. Die meisten Sprüche wurden im 4. und 5. Jahrhundert verfasst)
Reden und Schweigen
Ein Bruder fragte den Altvater Poimen: "Ist Reden besser als Schweigen?" Der Greis antwortete ihm: "Wer Gottes wegen redet, tut gut daran, wer Gottes wegen schweigt, tut ebenso gut."
Apophthegmata Patrum
(Sammlung von kurzen Aussagen, die von den ersten christlichen Mönchen Ägyptens, den sogenannten Wüstenvätern, stammen. Die meisten Sprüche wurden im 4. und 5. Jahrhundert verfasst)
Samstag, 21. September 2013
Du, o Wahrheit, bist das ewige Licht, das mich erleuchtet
Du, o Wahrheit, bist das ewige Licht, das mich erleuchtet, so dass ich sehe, was da ist und wie es zu werten ist. Ich vernehme gar wohl, wie Du mich lehrtest, wie Du mir gebotest. Oftmals tue ich es, und immer ist's mir Freude; und so oft ich kann, fliehe ich aus dem Zwang und Wirrwarr der Geschäfte zu dieser Freude, mir die Seele zu erquicken. In allem, was ich suchend durchlief, fand ich für meine Seele keinen sichreren Ort als in Dir, der Du zu sammeln weißt, was ich zerstreute. Manchmal fährst Du meine Seele in ein unfaßbares Meer der rätselvollsten Wonnen tief drinnen in meinem Innern. Und wann immer ich an dieser Wonne teilhatte, spürte ich, dass ihr vollkommener Besitz alle Freuden des Erdenlebens weit übersteigt.
Augustinus von Hippo
(Bekenntnisse, 10.Buch, 40.Kapitel)
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