Sonntag, 13. Januar 2019

Beten heißt Erkennen


Gebet besteht nicht in dem Bemühen Gott zu erreichen, sondern darin,
unsere Augen zu öffnen und zu erkennen, dass wir schon bei ihm sind.

Thomas Merton 


Freitag, 11. Januar 2019

Gebet um die Toleranz


An Dich richte ich meine Bitte, Gott aller Welten, aller Wesen, aller Zeiten!! 
Du hast uns Herzen gegeben, nicht, damit wir einander hassen, und Hände, nicht, damit wir uns gegenseitig erwürgen. Gib, dass die winzigen Unterschiede in den Kleidern, die unseren gebrechlichen Leib bedecken, in unseren unzulänglichen Sprachen, in unseren lächerlichen Bräuchen, in unseren unvollkommenen Gesetzen, in unseren sinnlosen Überzeugungen, gib, dass alle diese winzigen Unterschiede, die uns so ungeheuer erscheinen und die nichtig sind vor Dir, gib, dass sie nicht ein Signal des Hasses und der Verfolgung werden...
 
Möchten doch alle Menschen sich erinnern, dass sie Brüder sind! 

Gib, dass die Menschen Tyrannei über die Seelen genauso verabscheuen und in den Bann tun wie Raub und Gewalt. Und wenn Kriege unvermeidlich sind, dann gib, dass wir uns wenigstens nicht auch mitten im Frieden gegenseitig hassen und zerreißen, sondern unsere Existenz dazu verwerten, in tausend Sprachen, doch in einem Gefühl, von Siam bis Kalifornien, Deine Güte zu preisen, die uns den kurzen Augenblick geschenkt hat, den wir Leben nennen. 

Voltaire


( Traktat über die Toleranz , 1763)

Donnerstag, 10. Januar 2019

Ein jedes in dem Seinigen


Der Vogel in der Luft, 
der Stein ruht auf dem Land. 
Im Wasser lebt der Fisch, 
mein Geist in Gottes Hand.


Angelus Silesius
(Cherubinischer Wandersmann, 1.Buch, 80)

Die große Macht des Gebets


Das Gebet hat große Macht, das ein Mensch verrichtet mit seiner ganzen Kraft. Es macht ein bitteres Herz süß, ein trauriges Herz froh, ein armes Herz reich, ein törichtes Herz weise, ein zaghaftes Herz kühn, ein schwaches Herz stark, ein blindes Herz sehend, eine kalte Seele brennend. Es zieht den großen Gott in ein kleines Herz, es treibt die hungrige Seele hinauf zu dem Gott der Fülle.

   

Mechthild von Magdeburg

Montag, 7. Januar 2019

Liebe lässt sich bewahren, indem man sie verschenkt


Liebe lässt sich nur bewahren, indem man sie verschenkt. Ein Glück, das wir für uns allein suchen, ist nirgends zu finden, denn ein Glück, das sich verringert, wenn wir es mit anderen teilen, ist nicht groß genug, 
um uns glücklich zu machen.


Thomas Merton 


Samstag, 5. Januar 2019

Auf der Suche nach dir selbst

Ohne es zu wissen, bist du auf der Suche nach dir selbst. 
Du sehnst dich nach Liebe, nach dem, was der Liebe würdig ist,
nach dem absolut Liebenswerten. 
Auf Grund deiner Unwissenheit 
suchst du in der Welt  der Gegensätze und Widersprüche.

Wenn du es in dir selbst findest, dann wird deine Suche vorüber sein. 



Nisargadatta Maharaj 

Quelle: www.zanartblog.com


Liebe darf man weder erflehen noch einfordern


Liebe darf man nicht erflehen und schon gar nicht einfordern.
Liebe muss in sich selbst die Kraft haben, Gewissheit zu schaffen.
Dann wird sie nicht mitgerissen, sondern wird mitreissen.


Hermann Hesse

Sonntag, 4. März 2018

Die Liebe grüßte mich...



Die Liebe grüßt’ mich, 
doch meine Seele wich weg
voll Schuld und Sünd und Schmutz.
Doch die scharfäugige Liebe, die mein Zögern sah,
als ich am Eingang stand,
trat näher, stellte zart die Frage,
ob irgend etwas fehlt. 
"Ein Gast", erwidert’ ich, "der wert ist, hier zu sein."
Sie sprach: "Du sollst es sein."
"Bin ich nicht lieblos, undankbar?
 Geliebter,
 ach, wie könnt’ ich dich anschaun!""
Die Hand nahm Liebe, lächelnd wand sie ein:
"Wer schuf das Aug’ als ich?" 
"Wahr, Herr! Doch ich verdarb es; meine Schmach
sei, wo sie hingehört."
"Weißt du denn nicht," sprach Liebe, "wer die Schande trug?
Lass dienen, Liebster, dir.
Du setz’ dich hin, sprach Liebe, kost’ mein Mahl!"
So setzt’ ich mich und aß.

George Herbert
(1593-1633)



veröffentlicht in dem Gedichtband "Temple", 1633, kurz nach seinem Tod

Übertragung aus: G. Stachel,
Simone Weil - Christus - die katholische Kirche, in:
Religionspädagogische Beiträge 37/ 1996, S. 78 f


Sonntag, 11. Februar 2018

Liebe macht sehend


Es gibt keine klareren, keine schärferen Augen, als die der Liebe.
Nur Schwärmerei macht blind, Liebe macht sehend.

Man versteht einen anderen Menschen nur wirklich, wenn man ihn liebt,
und man soll vom anderen nur so viel wissen wollen, als die Kraft da ist, alles zu lieben, was sich dabei offenbart.


Jörg Zink 


( Auszug aus Dem Herzen nahe, S.25, Topos plus Verlagsgemeinschaft )

Diese Liebe ist der Anfang des Friedens

Die wirkliche Liebe sagt: 

Ich kenne die Stelle in dir genau, an denen du unsicher bist, darum will ich dort stehen und dich halten. Sie sagt: Ich sehe deine Fehler, darum will ich dort, wo deine Fehler sind, bei dir sein. Wo solltest du mich nötiger brauchen als dort? 
Ich weiß, dass du kein Held bist. Ich sehe dein Misstrauen und deine Sorge, darum will ich dir dort, wo deine Angst ist, beistehen. Und so, wie du wirklich bist, bist du unersetzlich für mich.

Diese Liebe ist der Anfang des Friedens.

Es ist ein Versuch wert, ob das gelingt: die Menschen kennen und sie lieben. Es wäre ein Versuch, dem Frieden unter den Menschen ein wenig mehr Raum zu verschaffen. Es wäre der Versuch, in den Frieden zu gehen.


Jörg Zink 


( Auszug aus Dem Herzen nahe, S.26, Topos plus Verlagsgemeinschaft )

Die einzige Liebe



Über die erste Liebe hinaus gibt es schlechthin keine andere Liebe mehr. 
Die erste Liebe ist die einzige Liebe, die es überhaupt gibt – denn es ist die Liebe aus Gott und zu Gott.

Dietrich Bonhoeffer


Wer Gott aufgibt...


Wer Gott aufgibt, der löscht die Sonne aus,
um mit einer Laterne weiterzuwandern.

Christian Morgenstern

Mittwoch, 1. November 2017

Nichts ist wesentlicher als die Wahrheit zu wahren



Oh Sadhu!* 
Mein Land ist ein sorgenloses Land.
Ich schreie laut zu allen, zum König und dem Bettler, 
dem Kaiser und dem Fakir.
Wer auch immer im Höchsten sein Obdach sucht, 
lasse sie alle kommen und sich niederlassen in meinem Land!
Lasse die Müden und Erschöpften kommen und ihre Last hier niederlegen!
So lebe hier, mein Bruder, auf dass Du mit Leichtigkeit 
das anderer Ufer überquerst.
Es ist ein Land ohne Erde oder Himmel, ohne Mond oder Sterne;
Denn nur die Strahlen der Wahrheit leuchten ihm in der großen Halle des Palastes meines Herrn.

Kabîr sagt: 
"Oh geliebter Bruder! Nichts ist wesentlich als die Wahrheit zu wahren!"


Kabir

Quelle: Die Lieder des Kabir 



*Sadhu: Sanskrit  „Guter oder auch: Heiliger Mann“