Freitag, 10. Februar 2012

Die heilige Liebe, die Tugend der Tugenden


Die wahre Tugend kennt keine Grenzen; immer schreitet sie weiter; zumal die heilige Liebe, die Tugend der Tugenden, die bis ins Unendliche wachsen könnte, fände sie anders ein Herz, das der Unendlichkeit fähig wäre, da nichts die Liebe hindert unendlich zu sein, als die Beschränktheit des Willens, der sie auffasst und mit ihr wirkt; und da wegen der Beschränktheit des Geistes niemand vermögend ist, Gott in seiner ganzen Unendlichkeit zu schauen, so vermag es auch niemand, ihn nach seiner ganzen Liebenswürdigkeit zu lieben. 

Franz von Sales

Quelle:http://www.deutsche-liebeslyrik.de/manuskript/manuskript52/manuskript52_7.htm

Donnerstag, 9. Februar 2012

Es gibt eine Kraft in der Seele, in der Gott grünt und blüht

Es gibt eine Kraft in der Seele, die berührt weder Zeit noch Fleisch. Sie fließt heraus aus dem Geist, sie bleibt im Geist und ist durch und  durch geisterfüllt.
In dieser Kraft grünt und blüht Gott in all der Freude und Ehre, wie er in sich selber ist. Da ist  nun so herzliche Freude und so unbegreiflich große Freude, dass niemand sie angemessen beschreiben kann. Denn der ewige Vater gebiert seinen ewigen Sohn in dieser  Kraft ohne Unterlass, so dass diese Kraft den Sohn des Vaters mitgebiert, sich selber als denselben Sohn in der einigen Kraft des Vaters.

Meister Eckhart

(aus Meister Eckhart, Vom Adel der menschlichen Seele, Anaconda Verlag)

Mittwoch, 8. Februar 2012

Du bist der Schreiber und die Schrift bist du

Du bist der Schreiber und die Schrift bist du,
    Tint' und Papier und Schreibestift bist du.
Du bist die Sternenschrift am Himmel dort,
    Im Herzen hier die Liebeschrift bist du.
Das Blatt, das treibt, das ausgetriebne Lamm,
    Der Trieb, der Treiber und die Trift bist du.
Du bist die Ruh', die Unruh' bist du auch,
    Das Gift und auch das Gegengift bist du.
Du Ebb' und Flut, Windstill' und Sturm und Meer,
    Schiffbruch und Schiff, und der drin schifft, bist du.
Was kann ich treffen? was kann treffen mich?
    Was trifft der Sinn, und was ihn trifft, bist du.


Dschalal-ad-Din ar-Rumi
(aus den Ghaselen)

in der Nachdichtung von Friedrich Rückert

Der Himmel ist die Erkenntnis des Einsseins

Der Himmel ist weder ein Ort noch ein Zustand. Er ist nur ein Gewahrsein vollkommenen Einsseins und die Erkenntnis, dass es sonst nichts gibt, nichts außerhalb dieses Einsseins und nichts anderes darin.

Kurs in WundernText 18.VI.1: 5-6

Freitag, 3. Februar 2012

Ein Grenzland des Denkens



Es gibt ein  Grenzland des Denkens, das zwischen dieser Welt und dem Himmel steht. Es ist kein Ort, und wenn du es erreichst, so ist es unabhängig von der Zeit. Hier ist die Stätte der Begegnung, in der Gedanken zusammengebracht werden, wo miteinander in Konflikt stehende Werte aufeinandertreffen und alle Illusionen neben die Wahrheit niedergelegt und als unwahr beurteilt werden. Dieses Grenzland liegt gerade jenseits von der Himmelspforte. Hier wird jeder Gedanke rein gemacht und gänzlich einfach. Hier wird die Sünde geleugnet und anstelle ihrer alles das, was ist, empfangen.

Kurs in Wundern, Text 26.III ,2

Jenseits der Vorstellungen von Richtig und Falsch


Draußen, jenseits der Vorstellungen von Richtig und Falsch, liegt ein Feld. Dort werde ich mit dir zusammentreffen. Wenn die Seele sich in jenes Grasland niederlässt, ist die Welt zu sehr erfüllt, um darüber zu reden. Vorstellungen, Sprache, selbst der Ausdruck "der Andere", ergeben keinen Sinn mehr.

Dschalal-ad-Din ar-Rumi


Mittwoch, 1. Februar 2012

Geben in Liebe heißt nie verlieren

Geben in Liebe heißt nie verlieren;
und wie man Liebe nicht schenken könnte,
wenn man sie nicht hätte,
so hat man sie erst, wenn man sie schenkt.
Die Liebe allein versteht das Geheimnis,
andere zu beschenken 
und dabei selbst reich zu werden.

Augustinus von Hippo
Aus den "Bekenntnissen"

Haben beruht auf Geben, nicht auf Bekommen

Damit du hast, gib allen alles


Kurs in Wundern
Text 6,IV, A - C6

Montag, 30. Januar 2012

Was der Mensch liebt, das wird er in der Liebe.

Wir sollen mit unserer Liebe und mit all unserem Verlangen dort sein, wie Sankt Augustinus sagt: Was der Mensch liebt, das wird er in der Liebe.
Sollen wir nun sagen, hat der Mensch Gott lieb, dass er dann Gott werde? Das hört sich an, als ob es Unglaube sei. Die Liebe aber, mit der ein Mensch liebt, die ist nicht zweigeteilt, sondern eins, und sie ist ein Einswerden. Und in der Liebe bin ich mehr bei Gott , denn dass ich in mir selber bin. Daher spricht der Prophet: Ich habe gesagt, ihr seid Götter und Kinder  des Allerhöchsten. -  Das klingt  wunderlich, dass der Mensch zu Gott werden könne in der Liebe. Doch so ist in der ewigen Wahrheit wahr.

Meister Eckart

Freitag, 27. Januar 2012

Der Mensch in der Verantwortung


Die volle Freude kann der Mensch ja nicht aus sich selber haben: 
sie muss ihm vielmehr 
von einem anderen geschenkt werden.
Erkennt der Mensch aber die Freude,
die ihm von einem anderen entgegenkommt,
dann empfindet er in seinem Herzen
ein großes Entzücken.
Denn dann erinnert sich die Seele,
wie sie von Gott geschaffen ist.

Hildegard von Bingen
( Liber Vitae Meritorum  )

Dienstag, 24. Januar 2012

Die Wahrheit ist eins



Komplexität ist nicht von GOTT. Wie könnte sie es sein, wenn alles eins ist, was ER kennt? ER kennt nur eine Schöpfung, eine Wirklichkeit, eine Wahrheit und nur einen Sohn. Nichts steht mit dem Einssein in Konflikt. Wie könnte dann Komplexität in IHM sein? Was gibt es zu entscheiden? Denn es ist Konflikt, der Wahl ermöglicht. Die Wahrheit ist einfach, eins, ohne ein Gegenteil. Und wie könnte Zwietracht in ihre einfache Gegenwart treten und Komplexität dorthin bringen, wo Einssein ist?

Kurs in Wundern Text 26.III,1


Samstag, 21. Januar 2012

Caritas abundat in omnia
Die Liebe überflutet alles



Video von marisayutub http://youtu.be/K7PcU1vlhGo

Caritas abundat in omnia, 
de imis excellentissima 
super sidera, 
atque amantissima in omnia, 
quia summo Regi 
osculum pacis dedit 

Die Liebe überflutet alles
von den tiefsten Tiefen bis hoch
zu den höchsten Sternen,
sie ist liebend allem zugetan,
da sie dem höchsten König
den Friedenskuss gab.

Hildegard von Bingen  
(Symphonia: Geistliche Gesänge)

Sonntag, 15. Januar 2012

In der liebenden Seele

In der liebenden Seele gibt es eine Skizze der Liebe, die das Bild des Geliebten so komplett und lebendig wiedergibt, dass man – wenn die Vereinigung in Liebe vollzogen ist – wirklich sagen kann: Der Geliebte lebt im Liebenden und der Liebende im Geliebten. Solch ein Ähnlichwerden bewirkt die Liebe durch die Überformung der Liebenden, dass der eine der andere ist und dass beide eins sind.


Johannes vom Kreuz

Freitag, 13. Januar 2012

Wer die Wahrheit kennt, kennt jenes Licht.



... zu mir selbst zurückgekommen, trat ich   in mein Inneres ein ...und erblickte mit dem Auge meiner Seele, so schwach es auch war,  über diesem Auge der Seele, über meinem Geist, ein unveränderliches Licht, nicht dieses gewöhnliche, das jedes irdische Lebewesen erblickt, nicht  ein Licht der  üblichen Art... So war jenes Licht nicht, es war anders, ganz anders als all dies... Es war erhabener, denn es hat mich erschaffen, und ich bin niedriger,  weil ich von ihm gemacht bin.  
Wer die Wahrheit kennt, kennt jenes Licht. 
Wer es kennt, kennt die Ewigkeit.  
Die Liebe kennt es
Du ewige Wahrheit, wahre Liebe, geliebte Ewigkeit! Du bist mein Gott, nach dir verlange ich Tag und Nacht.  

Augustinus von Hippo
Aus den "Bekenntnissen"