Freitag, 27. Januar 2012

Der Mensch in der Verantwortung


Die volle Freude kann der Mensch ja nicht aus sich selber haben: 
sie muss ihm vielmehr 
von einem anderen geschenkt werden.
Erkennt der Mensch aber die Freude,
die ihm von einem anderen entgegenkommt,
dann empfindet er in seinem Herzen
ein großes Entzücken.
Denn dann erinnert sich die Seele,
wie sie von Gott geschaffen ist.

Hildegard von Bingen
( Liber Vitae Meritorum  )

Dienstag, 24. Januar 2012

Die Wahrheit ist eins



Komplexität ist nicht von GOTT. Wie könnte sie es sein, wenn alles eins ist, was ER kennt? ER kennt nur eine Schöpfung, eine Wirklichkeit, eine Wahrheit und nur einen Sohn. Nichts steht mit dem Einssein in Konflikt. Wie könnte dann Komplexität in IHM sein? Was gibt es zu entscheiden? Denn es ist Konflikt, der Wahl ermöglicht. Die Wahrheit ist einfach, eins, ohne ein Gegenteil. Und wie könnte Zwietracht in ihre einfache Gegenwart treten und Komplexität dorthin bringen, wo Einssein ist?

Kurs in Wundern Text 26.III,1


Samstag, 21. Januar 2012

Caritas abundat in omnia
Die Liebe überflutet alles



Video von marisayutub http://youtu.be/K7PcU1vlhGo

Caritas abundat in omnia, 
de imis excellentissima 
super sidera, 
atque amantissima in omnia, 
quia summo Regi 
osculum pacis dedit 

Die Liebe überflutet alles
von den tiefsten Tiefen bis hoch
zu den höchsten Sternen,
sie ist liebend allem zugetan,
da sie dem höchsten König
den Friedenskuss gab.

Hildegard von Bingen  
(Symphonia: Geistliche Gesänge)

Sonntag, 15. Januar 2012

In der liebenden Seele

In der liebenden Seele gibt es eine Skizze der Liebe, die das Bild des Geliebten so komplett und lebendig wiedergibt, dass man – wenn die Vereinigung in Liebe vollzogen ist – wirklich sagen kann: Der Geliebte lebt im Liebenden und der Liebende im Geliebten. Solch ein Ähnlichwerden bewirkt die Liebe durch die Überformung der Liebenden, dass der eine der andere ist und dass beide eins sind.


Johannes vom Kreuz

Freitag, 13. Januar 2012

Wer die Wahrheit kennt, kennt jenes Licht.



... zu mir selbst zurückgekommen, trat ich   in mein Inneres ein ...und erblickte mit dem Auge meiner Seele, so schwach es auch war,  über diesem Auge der Seele, über meinem Geist, ein unveränderliches Licht, nicht dieses gewöhnliche, das jedes irdische Lebewesen erblickt, nicht  ein Licht der  üblichen Art... So war jenes Licht nicht, es war anders, ganz anders als all dies... Es war erhabener, denn es hat mich erschaffen, und ich bin niedriger,  weil ich von ihm gemacht bin.  
Wer die Wahrheit kennt, kennt jenes Licht. 
Wer es kennt, kennt die Ewigkeit.  
Die Liebe kennt es
Du ewige Wahrheit, wahre Liebe, geliebte Ewigkeit! Du bist mein Gott, nach dir verlange ich Tag und Nacht.  

Augustinus von Hippo
Aus den "Bekenntnissen"

Donnerstag, 21. Juli 2011

Die Zeit wird kommen und ist schon jetzt

Unser Herr sprach: »Frau, die Zeit wird kommen und ist schon jetzt, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten, und solche suchet der Vater.«
Nun achtet auf das erste Wörtlein, wo er spricht: »Die Zeit wird kommen und ist schon jetzt.« Wer da den Vater anbeten will, der muss sich in die Ewigkeit versetzen mit seinem Begehren und mit seiner Zuversicht. Es gibt einen obersten Teil der Seele, der steht über der Zeit und weiß nichts von der Zeit noch vom Leibe. Alles was je geschah vor tausend Jahren, der Tag, der vor tausend Jahren war, der ist in der Ewigkeit nicht ferner als diese Stunde, wo ich jetzt stehe, und der Tag, der nach tausend Jahren kommen wird oder soweit du zählen kannst, der ist in der Ewigkeit nicht ferner als diese Stunde, worin ich jetzt stehe.

Meister Eckhart

Dienstag, 5. Juli 2011

Das ist es, was ich liebe, wenn ich Dich, meinen Gott, liebe

Ich liebe Dich, nicht mit zweifelndem, sondern mit sicherem Bewusstsein. Du hast mit Deinem Wort mein Herz erschüttert und ich habe Dich geliebt. Auch der Himmel und die Erde und alles, was in ihnen ist, sieh, von allen Seiten her sagen sie mir, dass ich Dich lieben soll.
Was aber liebe ich, wenn ich Dich liebe? Nicht das Aussehen eines Körpers und nicht die Anmut eines Lebensalters, nicht den Glanz des Lichtes, der diesen leiblichen Augen so lieb ist, nicht die süßen Melodien vielfältiger Gesänge, nicht den lockenden Duft von Blüten, Salbölen und Gewürzen, nicht Manna und nicht Honig, nicht Körperteile, die sich zu fleischlichen Umarmungen anbieten – nichts von alledem liebe ich, wenn ich Dich liebe.
Und doch liebe ich eine Art von Licht, von Stimme, von Wohlgeruch, von Speise und von Umarmung, wenn ich Dich liebe, denn Du bist das Licht, die Stimme, der Wohlgeruch, die Speise und die Umarmung meines inneren Menschen. Dort drin in meiner Seele strahlt ein Licht, das keine Welt fasst, dort klingen Melodien, die keine Zeit verschlingt, dort duften Wohlgerüche, die kein Wind verweht, dort schmecken Speisen, deren keine Sattheit satt wird, dort lacht ein Glück vereinter Liebe, dem ein Überdruss nicht folgt. Das ist es, was ich liebe, wenn ich Dich, meinen Gott, liebe.

Augustinus von Hippo [Bekenntnisse X,6,8]

Montag, 4. Juli 2011

Das Licht dieser Welt verdeckt das Bild Gottes in uns

"Achtet nicht - spricht das Buch der Liebe (das Hohelied) - darauf, dass ich braun bin; ich bin dennoch schön und wohlgestaltet, aber die Sonne hat mich verfärbt."
Die Sonne ist das Licht dieser Welt und bedeutet das Höchste und das Beste, das da geschaffen und gemacht ist. Sie verdeckt und verfärbt [aber] das Bild Gottes in uns.
"Entfernt - spricht Salomo in den Sprüchen- den Rost von dem Silber, dann leuchtet und glänzt das allerblankeste Gefäß" nämlich das Urbild Gottes Sohn, in der Seele....
Denn der Mensch muss aus allen Bildern und aus seinem [niederen] Ich ausgehen und all dem gar fern und ungleich werden, wenn er den Sohn aufnehmen, ja wenn er den Sohn werden will, in des Vaters Schoß und in den Vaters Herzen.

Meister Eckart

Sonntag, 3. Juli 2011

Gottes Schauen und unser Schauen

Der Mensch erkennt sich selbst ebenso wenig wie die anderen Dinge; das tut Gott allein... Wenn aber die Seele erkennt, dass sie Gott erkennt, so erkennt sie sowohl Gott wie sich selbst.
Gottes Schauen und unser Schauen sind einander ganz fern und ungleich. Darum sagt unser Herr gar wohl, dass ein Mensch hinausging in ein fernes Land, sich ein Reich zu gewinnen, und zurückkam. Denn der Mensch muss in sich selber eins sein und muss das in sich suchen und in dem Einen: auch muss er empfangen in dem Einen, das heisst: Gott allein schauen. Und "zurückkommen" (nach dem Gang ins ferne Land), das bedeutet: wissen und erkennen, dass man Gott erkennt und dies auch weiß.
Ich, so spricht unser Herr in dem Propheten Hosea, will die Seele in eine Einöde führen und da will ich in ihr Herz hineinsprechen... Der Eine in dem Einen ewiglich.

Meister Eckart

Die Seele hat zwei Augen

Die Seele hat zwei Augen, ein nach innen und ein nach außen gewandtes Auge. Das innere Auge der Seele ist das, das in das Wesenhafte hineinblickt und sein Wesen von Gotte unmittelbar empfängt. Das ist sein eigentliches Werk.
Das äußere Auge der Seele ist jenes, das den Kreaturen zugewandt ist; es ist das Auge, das sie in bildhafter Weise und in der Form einer Kraft wahrnimmt.
Wer nun in sich gekehrt ist, dass er Gott seinem ureigenen Geschmack und in seinem eigenem Grund erkennt, ein solcher Mensch ist befreit von allenen geschaffenen Dingen.

Meister Eckhart

Freitag, 28. März 2008

Der kleine Raum im Herzen

In dieser Burg des Alls, nämlich dem Körper, befindet sich ein kleiner Lotos, ein Haus (das Herz). Darin ist ein kleiner leerer Raum. Was sich in diesem befindet, danach muss man suchen, das wahrlich muss man zu erkennen trachten.
Dieser kleine Raum im Herzen ist so groß wie das ganze Universum.
Beide, Himmel und Erde sind innen darin untergebracht: beide Feuer und Wind; Sonne und Mond; Blitz und Sterne. Was in dem Körper eines Lebewesens vorhanden und was nicht darin vorhanden ist, das ist in diesem kleinen Raum untergebracht. Nicht altert dies durch das Altern des Körpers, nicht wird es erschlagen, wenn der Körper erschlagen wird. Die wahre Burg des Alls ist was sich in diesem inneren Raum des Herzens befindet.

Chandogya-Upanishad

Dienstag, 25. März 2008

Ich habe euch Freunde genannt!

Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid;
denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut.
Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid;
denn alles, was ich habe von meinem Vater gehört,
hab' ich euch kundgetan.

aus dem Evangelium
Johannes 15,15

Donnerstag, 20. März 2008

Hohelied der Liebe


Wenn ich mit Menschen-und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle.  Und wenn ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, also daß ich Berge versetzte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.  Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.

Die Liebe ist langmütig und freundlich; die Liebe eifert nicht; die Liebe treibt nicht Mutwillen; sie bläht sich nicht; sie stellt sich nicht ungebärdig; sie sucht nicht das Ihre; sie lässt sich nicht erbittern; sie trachtet nicht nach Schaden; sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit; sie freut sich aber an der Wahrheit; sie verträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört nimmer auf, so doch die Weissagungen aufhören werden, und die Sprachen aufhören werden, und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, tat ich ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort, dann aber von Angesicht zu Angesichte. Jetzt erkenne ich’s stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.

Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Paulus von Tarsus (1. Korinther 13)