Montag, 16. Juni 2014

In dem Fünklein der Seele über Zeit und Raum


Wenn sich der Mensch von sich selbst und von allen geschaffenen Dingen abkehrt, so weit du das tust, so weit wirst du geeint und beseeligt in dem Fünklein der Seele, das nie Zeit oder Raum berührt hat.
Meister Eckhart

Neu geboren in Gott


In einem jeglichen guten Gedanken oder guten Bestreben oder guten Werke werden wir allzeit neu geboren in Gott.
Meister Eckhart

Mittwoch, 11. Juni 2014

Deine wahre Natur ist es, glücklich zu sein



Deine wahre Natur ist es, glücklich zu sein; 
es ist daher nicht falsch, nach diesem Zustand zu streben. 
Falsch ist nur, das Glück aussen zu suchen, 
denn es ist innen.



Sri Ramana Maharshi


aus Ellam Ondre (Alles ist eins)

Sonntag, 8. Juni 2014

Du machtest mich endlos




Du machtest mich endlos –
so ist dein Belieben.
Dies schwache Gefäß
leertest du wieder und wieder
und fülltest es immer mit neuem Leben.

Du trugst diese kleine Rohrflöte
über Hügel und Täler
und hauchtest durch sie
ewig neue Melodien.

Bei dem unsterblichen Druck deiner Hände
verliert mein kleines Herz
seine Grenze in Freude
und gebiert unaussprechliche Worte.

Deine unendlichen Gaben
empfange ich nur
auf diesen meinen sehr kleinen Händen.
Zeitalter vergehn
und immer gießest du aus,
und immer ist Raum,
um erfüllt zu werden. 

Rabindranath Tagore
aus Gitanjali
Deutsche Nachdichtung von Marie Luise Gothein [1863-1931]
Foto: © Christian Scharinger /pixelio.de

Gottes Liebe



Gottes Liebe ist wie ein Fluss aus göttlicher Quelle, 
der endlos durch Gottes Schöpfung strömt 
und alle Dinge mit Leben, Güte und Kraft erfüllt.


Thomas Merton

Tanszendente Erfahrung


Die transzendente Erfahrung erlangen heißt, die Wirklichkeit von allem, was ist, durchdringen, den Sinn der eigenen Existenz begreifen, seinen richtigen Platz in der systematischen Anordnung der Geschöpfe finden, vollkommen in Bezug stehen zu allem, was ist, in einem Identitäts- und Liebes-Verhältnis. 


Thomas Merton

aus Weisheit der Stille

Dienstag, 4. März 2014

Ewiges reines Licht Gottes



Reines Licht,
geistiges Licht, erfüllt mit Liebe,
Liebe des wahren Guten, erfüllt mit Wonne, 
Wonne übertreffend alle Süßigkeiten.

O du ewiges Licht , 
das allein sich in sich selbst begreift, 
das allein sich selbst erkennt, 
und nur von dir erkannt, 
und nur dich selbst erkennend
... 

Dante Alighieri



(Göttliche Komödie, Paradies, Auszüge aus dem Gesang 30 bzw.33)

Das ist geheimes Leben



Wer leuchtend seinen Geist bewahrt, 
dass er Eines nur umfängt,
der mag wohl innern Zwiespalt vermeiden.
Wer seine Seele einfältig macht und demütig,
der mag wohl werden wie ein Kindlein.
Wer reinigt und läutert sein inneres Schauen,
der mag wohl seiner Fehler ledig werden.
Wer seine Leute liebt als Herrscher des Reichs,
der mag wohl ohne Handeln wirken können.
Wenn des Himmels Pforten sich öffnen und schließen,
so mag er wohl rein empfangend sein.
Wer mit klarem Blicke alles durchdringt,
der mag wohl ohne Kenntnisse bleiben.
Erzeugen und ernähren,
erzeugen und nicht besitzen:
wirken und nicht behalten,
mehren und nicht beherrschen:
Das ist geheimes LEBEN.

Laotse

Tao Te King - Das Buch des Alten vom Sinn und Leben (10)
(in der Übersetzung von Richard Wilhelm)

Mittwoch, 1. Januar 2014

Wahre Vollkommenheit


Was halb ist, wird ganz werden.
Was krumm ist, wird gerade werden.
Was leer ist, wird voll werden.
Was alt ist, wird neu werden.
Wer wenig hat, wird bekommen.
Wer viel hat, wird benommen.

Also auch der Berufene:
Er umfaßt das Eine
und ist der Welt Vorbild.
Er will nicht selber scheinen,
darum wird er erleuchtet.
Er will nichts selber sein,
darum wird er herrlich.
Er rühmt sich selber nicht,
darum vollbringt er Werke.
Er tut sich nicht selber hervor,
darum wird er erhoben.
Denn wer nicht streitet,
mit dem kann niemand auf der Welt streiten.
Was die Alten gesagt: »Was halb ist, soll voll werden«,
ist fürwahr kein leeres Wort.
Alle wahre Vollkommenheit ist darunter befaßt.

Laotse

Tao Te Ching  - Das Buch des Alten vom Sinn und Leben   (21
 (in der Übersetzung von Richard Wilhelm)

Dienstag, 31. Dezember 2013

Zeuge für die unendliche Wahrheit






Der Mensch ist dazu erschaffen, Zeugnis abzulegen für die unendliche Wahrheit, Macht, Wirklichkeit und Gegenwart Gottes, 
in dem alles lebt, sich bewegt und ist.

Thomas Merton

Foto: © partagasnr4 /photocase.de

Die wichtigste Entdeckungsreise






Was nützt es uns, zum Mond reisen zu können, wenn es uns nicht gelingt, den Abgrund zu überwinden, der uns von uns selbst trennt? Dies ist die wichtigste aller Entdeckungsreisen; ohne sie sind alle anderen nicht nur nutzlos, sondern zerstörerisch.

Thomas Merton 


Foto: Xenia Illapo

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Gott ist gegenwärtig



Gott ist gegenwärtig; lasset uns anbeten, 
Und in Ehrfurcht vor ihn treten! 
Gott ist in der Mitte; alles in uns schweige 
Und sich innigst vor ihm beuge! 
Wer ihn kennt, Wer ihn nennt, 
Schlagt die Augen nieder. 
Kommt, ergebt euch wieder!






Wir entsagen willig allen Eitelkeiten, 
Aller Erdenlust und Freuden; 
Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben 
Dir zum Eigentum ergeben. 
Du allein sollst es sein, 
Unser Gott und Herre, 
Dir gebührt die Ehre.

Gerhard Tersteegen

!. und 3. Strophe des Liedes "Gott ist gegenwärtig"


Bild: Leonardo da Vinci, Anbetung der Könige aus dem Morgenland ,um 1481
Uffizien, Florenz

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Der eine Geist bewirkt alles in allen


Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott. Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem anderen durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem anderen – immer in dem einen Geist – die Gabe, Krankheiten zu heilen, einem anderen Wunderkräfte, einem anderen prophetisches Reden, einem anderen die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem anderen verschiedene Arten von Zungenrede, einem anderen schließlich die Gabe, sie zu deuten. Das alles bewirkt ein und der derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe, wie er will.


Paulus von Tarsus

(1. Korinther-Brief 12, 4-11)

Donnerstag, 21. November 2013

Sehnsucht




Obwohl wir Gott nie gesehen haben, sind wir wie Zugvögel, die an einem fremden Ort geboren, doch eine geheimnisvolle Unruhe empfinden, wenn der Winter naht, einen Ruf des Blutes, eine Sehnsucht nach der frühlingshaften Heimat, die sie nie gesehen haben und zu der sie aufbrechen, 
ohne zu wissen, wohin.


Ernesto Cardenal

(Das Buch von der Liebe, Peter Hammer Verlag, S. 55)

Bild: © moorhenne  / pixelio.de